Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Steuerdebatte
ID: 697453
alttestamentarische Zeiten zurück. »Von allem, was du mir geben
wirst, werde ich dir gewisslich den Zehnten geben«, verspricht Jakob
im ersten Buch Mose dem Herrn. Zehn Prozent Abgabe auf alle
Einkünfte: Heute hieße das »Flat Tax«. Von einem solchen Steuersatz
sind wir ebenso weit entfernt wie von einer Einheitssteuer.
Freibeträge, Werbungskosten, Progression und Sonderregelungen
verwirren Laien, Experten geraten ins Grübeln. Vater Staat freut's.
Er kann an unzähligen Stellschrauben drehen und so den Bürger mal
mehr, mal weniger belasten. Die Staatsquote - also der Anteil des
Volkseinkommens, über den der Staat in irgendeiner Weise verfügt -
liegt bei nahezu 50 Prozent. SPD und Grünen, aber auch der
Linkspartei, den Gewerkschaften und Sozialverbänden reicht das nicht.
Sie trommeln für »Reichensteuer« und »Vermögensabgabe« - eine neue
Umverteilungsdebatte ist voll entbrannt. Auf den ersten Blick
erscheint das Vorhaben sympathisch. Wer beim Krawallsender RTL 2 die
Doku-Soap über Millionärsfamilie Geiss verfolgt hat, der glaubt:
Denen geht's wirklich zu gut. Die Geissens stehen aber eben nicht
stellvertretend für »die Reichen«. Eine Vermögensabgabe würde vor
allem Familienbetriebe belasten, die gerade auch in Ostwestfalen für
Beschäftigung und Wohlstand sorgen. Je mehr der Staat kassiert, desto
weniger bleibt für Investitionen und Innovationen. Dann also besser
einen höheren Steuersatz für Spitzenverdiener? Die könnten den
Aufschlag wohl verkraften. Doch was brächte das? Bliebe es bei der
Einkommensgrenze von 250 000 Euro, von der an schon jetzt für
Alleinverdiener ein Zuschlag erhoben wird, käme durch die von der SPD
vorgeschlagene Erhöhung um vier Prozentpunkte etwa eine Milliarde
Euro pro Jahr zusammen. Würde die Abgabe bereits bei mehr als 100 000
Euro erhoben, wäre es das Drei- bis Fünffache. Die Steuereinnahmen
des Staates würden bestenfalls um ein Prozent steigen. Zahlen müssten
allerdings nur diejenigen Spitzenverdiener, die ihr Einkommen nicht
durch legale Steuertricks senken oder ins Ausland abwandern können.
Nein: Gerechter wird das Steuersystem nur dann, wenn Ausnahmen
abgeschafft und jeder nach seiner tatsächlichen Leistungsfähigkeit
belastet wird. Dazu gehört auch eine schärfere Verfolgung von
Steuerhinterziehern. Auf 30 Milliarden Euro schätzt die
Steuergewerkschaft den jährlichen Schaden - ein Vielfaches dessen,
was durch den Spitzenverdienerzuschlag zu erlösen wäre. So
rechtfertigt sich auch der Ankauf weiterer Steuer-CDs durch das Land
Nordrhein-Westfalen. Das Alte Testament weist den Weg: Wer verbotene
Früchte genießt, der wird aus dem Paradies vertrieben. Das muss erst
recht für Steuerparadiese gelten.
Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 09.08.2012 - 19:45 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 697453
Anzahl Zeichen: 3147
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 253 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Steuerdebatte"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Westfalen-Blatt (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un
34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder
NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in
Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt
Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Organspendeskandal ...
Ob 12 000 Patienten in Deutschland das nächste Jahr erleben, hängt nicht zuletzt von der Bereitschaft der Mitbürger ab, im Todesfall Herz, Lunge, Niere und Leben zu spenden. Hoffentlich führt der Skandal bei der Vergabe von Organen nicht dazu, dass noch weniger transplantiert wird. Zunächst
Westdeutsche Zeitung: China - Risse in der Einheitsfassade = von Peter Lausmann ...
Der Koloss bekommt Risse: Für den Westen beängstigend geschlossen und erfolgreich ist China seit Jahren aufgetreten. Die Staatsspitze agierte wie der Vorstand eines Großkonzerns. Zugleich warfen geschickte Auftritte des Regierungschefs Wen Jiabao die alten Vorstellungen von Betonköpfen in Ma
Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zur Lockerung der strengen Auflagen für den tschechischen Nationalpark Sumava ...
Rauschender Abgang Sumava heißt auf Tschechisch "Die Rauschende": ein Synonym für winddurchwehte Waldpoesie und blühende Natur. Wenn es nach dem Leiter des Nationalparks und dem Umweltminister geht, einem Parteifreund von der neoliberalen ODS, werden sich bald Motorsägengeräusche
Allg. Zeitung Mainz: Lebensgefährlich / Kommentar zu Organspende ...
Nichts ist so schwer zurückzugewinnen wie verlorenes Vertrauen. Und beim System Organspende wurde nicht bloß Vertrauen zerstört, vielmehr ist eine veritable Katastrophe zu beklagen. Eine Katastrophe für diejenigen, deren Überleben davon abhängt, dass schnellstmöglich ein geeignetes Spender




