Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Steuersplitting
ID: 698437
Mutter, Kind« meiner frühen Jugend geworden ist? Vermutlich gibt es
das Spiel heute nicht mehr, weil die vielen Formen der Teil- und
Patchwork-Familien inklusive gleichgeschlechtlicher Beziehungen die
Spielregeln verkompliziert haben. Die traditionelle Form - Vater und
Mutter in erster Ehe verheiratet, mit zwei oder mehr Kindern - ist
immer mehr eine von vielen. Nur der Staat weigert sich in mancher
Hinsicht noch, seine Regeln den veränderten Rahmenbedingungen
anzupassen. Das steuerliche Ehegattensplitting subventioniert nach
wie vor, dass sich Mann und Frau versprechen, ein Leben lang für
einander da zu sein. Grundlage ist Artikel 6 der deutschen
Verfassung. Lässt man dessen religiöse Begründung beiseite, dann gab
es bei Abfassung des Grundgesetzes dafür auch einen realen sozialen
Grund: Zu einer Zeit, in der ein Partner - fast immer die Frau - die
gesamte Erziehungszeit zu Hause blieb, bewahrte es eine Familie mit
Kindern vor dem Absturz in die Armut. Heute aber ist das
Ehegattensplitting nur ein Instrument der Familienförderung.
Kindergeld, Kinderfreibetrag, Elterngeld, die beitragsfreie
Mitversicherung bei der Krankenversicherung, der Bau von
Kindertagesstätten, Kindergärten, Schulen und so weiter - alle sind
in diesem Zusammenhang viel wichtiger. Sicher würde der Wegfall des
Splittings in der jetzigen Form auch manche geringverdienende
Kleinfamilie treffen. Doch ließen sich diese Auswirkungen durch ein
neu einzuführendes Familiensplitting ausgleichen. Der Vorteil dieser
Alternative wäre, dass jede Form des Für-Kinder-Daseins gefördert
würde. Vielleicht sogar auch des Für-pflegebedürftige-Eltern-Daseins,
falls sich dieser zusätzliche Passus finanzieren ließe. Nicht
bezahlbar? Das muss erst bewiesen werden. Bei genauer Kalkulation
stellt man nämlich fest: Einige Profiteure des jetzigen Systems
verlören bei einer Reform ihre Privilegien. Gemeint sind Ehen, in
denen ein Partner die Erfüllung seines Lebens einzig darin sieht,
sich und dem anderen das Zuhause so angenehm wie möglich zu machen.
Grundlage ist das hohe Einkommen oder Vermögen dessen, der für die
Steuern aufkommt und durch das Splitting viel spart. Es ist nichts
dagegen einzuwenden, dass sich jemand für diesen Lebensweg
entscheidet. Aber muss ihn die Gesellschaft subventionieren? Wer
genau rechnet, wird möglicherweise feststellen, dass so mehr Geld in
der Staatskasse bliebe als durch eine Reichensteuer hineingespült
würde. Auf Dauer wird die Politik nicht an einer Gleichstellung
eheähnlicher Gemeinschaften mit verheirateten Paaren beim
Ehegattensplitting vorbeikommen. Dafür wird schon das
Bundesverfassungsgericht sorgen. Statt am Ehegattensplitting zu
flicken sollten die Regierungsparteien die Chance nutzen, das
Steuersparmodul durch ein anderes zu ersetzen: Familiensplitting
fördert die, die wirklich Verantwortung und Lasten für die Kinder
tragen.
Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 12.08.2012 - 20:15 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 698437
Anzahl Zeichen: 3370
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 246 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Steuersplitting"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Westfalen-Blatt (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un
34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder
NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in
Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt
Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur finanziellen Situation der Städte und Gemeinden ...
»Ein Kaputtsparen bei der öffentlichen Infrastruktur lehnen wir ab«, heißt es im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen in NRW. Aber wenn doch erst einmal mit dem Sparen begönnen würde! - so möchte man da ausrufen. Jeder, der die Diskussionen in den Kommunen vor Ort verfolgt, weiß, wie sch
Stuttgarter Nachrichten: Kommentar zu Romney ...
Das war ein gutes Wochenende für US-Präsident Barack Obama. Eine wichtige Personalentscheidung seines republikanischen Herausforderers Mitt Romney wird er mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen haben. Der berief nämlich mit dem 42-jährigen Kongresspolitiker Paul Ryan einen Kandidaten f
Rheinische Post: Stellvertreterkrieg Kommentar Von Thomas Seibert ...
Mit der gemeinsamen Planung für eine Flugverbotszone in Syrien drohen die Verbündeten USA und Türkei dem syrischen Regime und demonstrieren Einigkeit. Gleichzeitig verschaffen sich die Amerikaner aber auch eine Art Vetorecht über türkische Militäraktionen und schieben einem möglichen Alle
Rheinische Post: Wahljahr oder Krisenjahr Kommentar Von Reinhold Michels ...
Hoffentlich stehen wir im großen Wahljahr 2013 wirklich bloß vor der Alternative: Verlängerung des Regierungsauftrages für Angela Merkel und ihre christlich-liberale Koalition oder Neustart mit dem mutmaßlichen Herausforderer Frank-Walter Steinmeier und einem sozialdemokratisch-grünen Bün




