Neue OZ: Kommentar Biosprit / Niebel
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Nur ein Unmensch käme auf die Idee, ein Kind verhungern zu lassen,
obwohl es Nahrung im Überfluss gibt. Beim Biosprit verhält es sich
noch viel schlimmer. Was sich an der Zapfsäule vollzieht, ist brutal.
Da landen hochwertige Agrarprodukte in den Autotanks amerikanischer
und europäischer Wohlstandsbürger, während in Entwicklungsländern
Hunderte Millionen Menschen unter Mangelernährung leiden.
Entwicklungsminister Dirk Niebel hat daher recht: Dieser Wahnsinn
gehört gestoppt. Nahrungsmittel müssen auf dem Teller landen, nicht
im Tank. Motor oder Magen? Allein die Frage ist ein Armutszeugnis
sondergleichen.
Die Lobbyisten der Biosprit-Branche können den Skandal auch nicht
kleinreden. Ihre Behauptung ist zwar richtig, dass 2011 nur vier
Prozent der deutschen Getreideernte in die Bioethanolproduktion
geflossen sind. Das liegt aber daran, dass die meisten Autofahrer
hierzulande das Gemisch aus Angst um den Motor boykottieren.
Nur sieht das Tankverhalten im übrigen Europa und in den
Vereinigten Staaten völlig anders aus. 40 Prozent der
US-Maisproduktion landen bereits im Tank. Und wenn wie jetzt Dürren
und Ernteausfälle hinzukommen, steigen die Lebensmittelpreise
weltweit drastisch. Das merkt der Kunde in einem Supermarkt in
Washington oder in Berlin an der Kasse. In der Sahelzone gefährden
solche Preisexplosionen jedoch Menschenleben. Biosprit verschärft
diese Not.
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Datum: 15.08.2012 - 22:00 Uhr
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