Landwirtschaft 2030 - Bereit für zukünftige Herausforderungen

Landwirtschaft 2030 - Bereit für zukünftige Herausforderungen

ID: 702778

Das folgende Szenario versucht darzustellen, wo und wie die deutsche Landwirtschaft in ca. 20 Jahren stehen wird - strukturell sowie wirtschaftlich.



(PresseBox) - Die Prognose geht davon aus, dass sich heute erkennbare Entwicklungen fortsetzen und die nächsten 20 Jahre ohne bruchartige Verschiebungen ? sprich: ohne schwere Naturkatastrophen und ohne gesamtwirtschaftliche bzw. politische Verwerfungen ? verlaufen. Im Vergleich zu 2010 ist die Land- und Ernährungswirtschaft im Jahr 2030 ein geradezu politikfreier Raum. Es gibt so gut wie keine Maßnahmen der 1. Säule mehr, keine EU-Flächenzuzahlungen, auch keine Investitionszuschüsse und schon gar keine Dieselbeihilfe. Preisstützende Markteingriffe und Exportsubventionen sind längst ersatzlos gestrichen, Marktordnungen für agrarische Produkte sind unbekannt. Andererseits sind die Rechtsbereiche des Tier-, Umwelt- und Klimaschutzes stark ausgebaut, sodass die Landwirtschaft mit einschneidenden Einschränkungen und komplexen Produktionsauflagen zurechtkommen muss. Besondere Bedeutung haben die massiven Auflagen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes. So sind energieintensive Produktionsprozesse, wie Pflugfurche oder mehr als vierschnittige Grünlandnutzung, eingeschränkt oder ganz verboten. Der Mineraldüngereinsatz ist strikt gedeckelt. Das seit etwa zehn Jahren auch in der Landwirtschaft gültige System der CO2-Zertifikate macht den Landwirten mit geringer Produktivität (Biolandwirtschaft) zunehmend Schwierigkeiten, weil die CO2-Emissionsrechte mit Preisen von mehr als 500 Euro je Tonne richtig teuer geworden sind.
Leistungsfähig ohne Subventionen
Der Abbau der Subventionen hat die deutsche Landwirtschaft ? entgegen den Befürchtungen in der Branche ? nicht geschwächt, sondern im Gegenteil ihre Stärken zur vollen Entfaltung gebracht und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit gestärkt. Wichtige Gründe dafür sind:
? stabile politische Verhältnisse mit hoher Rechtssicherheit,
? überdurchschnittliche natürliche Produktionsbedingungen,
? hochfunktionelle Ernährungswirtschaft mit leistungsfähiger vor- und nachgelagerter Industrie,


? große, wenn auch hochsensible Kaufkraft,
? ausgezeichnetes Ausbildungsniveau der Akteure (60 Prozent Hochschulabsolventen),
? mittelstandstypische Reaktions-schnelligkeit und Anpassungsfähigkeit,
? starke Eigenkapitalausstattung, hohe Bonität.
Professionelle Agrarunternehmer
Die Struktur der Agrarproduktion des Jahres 2030 ist im Wesentlichen das Ergebnis einer seit mehreren Jahrzehnten anhaltenden Entwicklung. Die Profilandwirtschaft unterscheidet sich dennoch sehr deutlich von der in der Rückschau kleinbäuerlich aufgestellten Landwirtschaft West- und vor allem Süddeutschlands im Jahr 2010. Gegenüber 2010 wird sich die Zahl der Betriebe, wenn man die bisherige Entwicklung fortschreibt, auf rund 150.000 halbieren, die durchschnittliche Betriebsgröße bei nahezu unveränderter bewirtschafteter Gesamtfläche auf 110 Hektar entsprechend verdoppeln.
Mit nahezu 70 Prozent Pachtflächenanteil sind auch Landwirte der alten Bundesländer im Wesentlichen Pächter. Die Zahl der Fremdarbeitskräfte ist größer als die der Familienarbeitskräfte. Durchschnittlich große Haupterwerbsbetriebe haben in der Regel mindestens einen Angestellten. Die Landwirtschaft ist eher ein managergesteuertes Unternehmen, nicht selten konzernartig strukturiert mit landwirtschaftlichen und nichtlandwirtschaftlichen Tochterunternehmen. Zudem sind die Landwirte durchaus zu vertikalen Verbundketten bereit, weil sie dadurch nicht nur die Volatilität der unruhigen Märkte besser beherrschen, sondern auch echte Kostenvorteile realisieren können.
Gedeckelte Bioenergie-Produktion
Anders als erwartet sind die deutschen Landwirte jedoch keine Ölscheichs geworden. Zwar hat sich regenerativ erzeugte Stromleistung gegenüber 2010 insgesamt verdreifacht, doch Biomasse spielt dabei im Vergleich zu Wind und Sonne nur noch eine untergeordnete Rolle. Seit den 20er-Jahren wurden praktisch keine Biomassekraftwerke mehr zugebaut, weil die Verwendung knapper Flächenressourcen dafür auf gesamtgesellschaftliche Kritik gestoßen und seit 2025 gesetzlich gedeckelt ist. Überdies wurde der Vorrang der Lebensmittelerzeugung im Grundgesetz verankert.
Unveränderte Einkommenssituation
Nicht erfüllt hat sich auch die naive Erwartung, dass sich die landwirtschaftlichen Einkommen mit den tendenziell weiter steigenden Preisen deutlich verbessern würden. Im Prinzip ist die Rentabilität unverändert geblieben: Zu realen Preisen (2010 = 100) liegen die Hektargewinne der Haupterwerbsbetriebe 2030 mit einem Durchschnitt von 650 Euro immer noch im langjährigen Schwankungsbereich von 500 bis 1.000 Euro pro Hektar. Bei rund 50.000 Euro Jahreseinkommen je Arbeitskraft sind wegen der gestiegenen Arbeitsproduktivität die Stundenverdienste zwar höher als heute, inflationsbereinigt ist der Zuwachs allerdings bescheiden.
Im Übrigen hat sich gezeigt, dass steigende Preise die klein- und mittelbäuerlichen Strukturen nicht stabilisieren, sondern eher den Trend zu größeren Einheiten beschleunigen. Denn die mit dem Produktivitätsfortschritt verbundenen Kostenvorteile müssen wegen der vergleichsweise fragmentierten Produktionsstruktur weitgehend an die vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche abgegeben werden. Zudem verhalten sich Produktpreise und Herstellungskosten wie eine Spiralfeder: Das Auf und Ab der Preise führt dazu, dass bei steigenden Preisen zunächst Spielraum für Kostenerhöhungen besteht, bis schrumpfende Margen und einsetzender Preisdruck dazu zwingen, die Kosten wieder zu senken.
Alternative Szenarien
Bei einem Ausblick weit über den üblichen Planungshorizont hinaus sind aber auch pessimistischere Szenarien denkbar. Beispielsweise könnte die Euro-Schuldenkrise dazu führen, dass nicht nur der Euro zusammenbricht, sondern sich auch die EU auflöst. Ein dann möglicher Staatenverbund nordeuropäischer Länder mit einer gemeinsamen Wirtschafts-, Währungs-, Finanz- und Fiskalpolitik würde auf eine neue, sehr starke Währung setzen. Damit wären erhebliche Nachteile für Exportnationen wie Deutschland und damit auch für die hiesige Agrarwirtschaft verbunden, die etwa jeden fünften Euro im Ausland erlöst. Genauso vorstellbar ist, dass die Verschuldung von Großbanken und Staaten weiter steigt und es dadurch zu einer massiven Geldentwertung kommt. Die Folge davon wäre ein starker Anstieg der Bodenpreise ? zum Vorteil der Landeigentümer und zum Nachteil der bewirtschaftenden Landwirte.
Autor: Christian Stockinger, Vizepräsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft,
Institut für Agrarökonomie, christian.stockinger@lfl.bayern.de

Ecovis ist ein Beratungsunternehmen für den Mittelstand und zählt in Deutschland zu den Top 10 der Branche. In den mehr als 130 Büros in Deutschland sowie den über 60 internationalen Partnerkanzleien arbeiten etwa 3.800 Mitarbeiter. Ecovis betreut und berät Familienunternehmen und inhabergeführte Betriebe ebenso wie Freiberufler und Privatpersonen. Um das wirtschaftliche Handeln seiner Mandanten, darunter 20.000 gewerbliche Kunden, zu sichern, bündelt Ecovis die nationale und internationale Fach- und Branchenexpertise aller Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte und Unternehmensberater. Jede Ecovis-Kanzlei kann auf diesen Wissenspool zurückgreifen.
Die ECOVIS Akademie ist zudem Garant für eine fundierte Ausbildung sowie eine kontinuierliche und aktuelle Weiterbildung. Damit ist umfassend gesichert, dass die Mandanten vor Ort persönlich gut beraten werden.
www.ecovis.com

Unternehmensinformation / Kurzprofil:

Ecovis ist ein Beratungsunternehmen für den Mittelstand und zählt in Deutschland zu den Top 10 der Branche. In den mehr als 130 Büros in Deutschland sowie den über 60 internationalen Partnerkanzleien arbeiten etwa 3.800 Mitarbeiter. Ecovis betreut und berät Familienunternehmen und inhabergeführte Betriebe ebenso wie Freiberufler und Privatpersonen. Um das wirtschaftliche Handeln seiner Mandanten, darunter 20.000 gewerbliche Kunden, zu sichern, bündelt Ecovis die nationale und internationale Fach- und Branchenexpertise aller Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte und Unternehmensberater. Jede Ecovis-Kanzlei kann auf diesen Wissenspool zurückgreifen.
Die ECOVIS Akademie ist zudem Garant für eine fundierte Ausbildung sowie eine kontinuierliche und aktuelle Weiterbildung. Damit ist umfassend gesichert, dass die Mandanten vor Ort persönlich gut beraten werden.
www.ecovis.com



drucken  als PDF  Jetzt zuschlagen: Canon EOS 600D günstig, wie nie NRW lockert Anforderungen an Besuchersicherheit: Fortschritt oder Rückschritt?
Bereitgestellt von Benutzer: PresseBox
Datum: 20.08.2012 - 09:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 702778
Anzahl Zeichen: 7879

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Vermischtes



Diese Pressemitteilung wurde bisher 597 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Landwirtschaft 2030 - Bereit für zukünftige Herausforderungen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

ECOVIS AG Steuerberatungsgesellschaft (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Ecovis und RTS seit 1. Januar 2025 unter gemeinsamem Markendach ...
Die Mittelstandsberatungen Ecovis und RTS werden ab dem 1. Januar 2025 untereinem gemeinsamen Markendach auftreten. Damit stärken sie ihre Präsenz und Expertise in Südwestdeutschland und bieten ihren Mandanten ein erweitertes Leistungsspektrum. Während RTS-Mandanten künftig Zugang zu einem der

Landwirtschaftliches Vorkaufsrecht: Wann gilt ein Verpächter als Landwirt- ...
Wenn Eigentümer Grundstücke an Nichtlandwirte verkaufen wollen, können Landwirte ein Vorkaufsrecht geltend machen. Wer jedoch im Sinne des Gesetzes als Landwirt gilt, ist immer wieder Gegenstand verschiedener gerichtlicher Auseinandersetzungen. Ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs sorgt

Tarifermäßigung für Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft: Verlängerung der Erleichterungen bis 2028 ...
Die Bundesregierung hat die Tarifermäßigung bis 2028 verlängert und schafft damit Entlastung für die Landwirtschaft. Sie reagiert damit auf die Proteste der Landwirtinnen und Landwirte im vergangenen Winter gegen die geplante Streichung der Agrardiesel-Vergünstigung. Was die Maßnahmen für lan


Weitere Mitteilungen von ECOVIS AG Steuerberatungsgesellschaft


NRW lockert Anforderungen an Besuchersicherheit: Fortschritt oder Rückschritt? ...
Nach dem Unglück 2010 auf der Loveparade in Duisburg war das Land Nordrhein-Westfalen Vorreiter bei der Vorgabe von Sicherheitsmaßnahmen. Jede Veranstaltung mit mehr als 5.000 Besuchern galt fortan als Großveranstaltung, für die bestimmte Auflagen galten. Für manchen Veranstalter war d

Jetzt zuschlagen: Canon EOS 600D günstig, wie nie ...
Vor einigen Wochen hat Canon die EOS 650D auf den deutschen Markt gebracht und jetzt purzeln die Preise für ihre Vorgängerin die EOS 600D. Schon ab 540 Euro gibt es diese digitale Spiegelreflexkamera zu kaufen. Top Qualität und großes Schwenk-Bildschirm Das Mittelklasse Modell EOS 600D von

Jürgen Herold ist Deutscher Meister der Floristen 201 (BILD) ...
Der neue Deutsche Meister der Floristen steht fest. Der Titel geht an Jürgen Herold aus Berlin. Nach zwei spannenden Wettbewerbstagen setzte er sich am Ende gegen die besten Floristen Deutschlands durch und überzeugte die Jury mit seinen Kreationen. Es winkte nicht nur der Titel, sondern au


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z