Zunehmend Lieferengpässe bei Arzneimitteln
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VKD: Wir brauchen eine Lösung für ein globales Problem
Wesentliche Gründe für die sich verschlechternde Situation sehen die befragten Führungskräfte der Krankenhäuser u.a. darin, dass es für einige Produkte weltweit nur noch einen Hersteller gibt und dass Pharmafirmen die Produktion vor allem nach Asien verlegt und dort konzentriert haben. Treten Qualitätsmängel oder Produktionsunterbrechungen auf, trifft das viele Abnehmer gleichzeitig nicht nur in Deutschland. Ein weiterer Grund ist, dass Arzneigroßhändler inzwischen nur noch just in time liefern, also keine Lagerbestände vorhalten, um Engpässe aufzufangen. Hinzu kommt, dass die Krankenhausapotheken auch immer größere Mengen von Wirkstoffen zur Eigenherstellung abnehmen müssen, da die Großhändler z.T. nur ab einem bestimmten Volumen tätig werden. Hier steigen überdies die Preise überproportional, da durch Fusionen und Übernahmen in diesem Bereich der Wettbewerb ausgebremst wird.
Unsere Ärzte und Apotheker sind bemüht, bei Lieferproblemen Alternativen zu suchen. Das ist oft nicht einfach, da die Mitteilungen der Hersteller und Lieferanten oft das Krankenhaus erst erreichen, wenn die Arzneimittel eigentlich schon im Hause angekommen sein müssten. Die Suche nach anderen Möglichkeiten ist nicht nur zeitraubend, es müssen auch zum Teil Therapiepläne geändert werden und es verunsichert Pflegepersonal und Patienten, so Asché.
Das alles gefährde die Versorgungssicherheit und erschwere auch die Eigenherstellung zum Ersatz von Medikamenten, die durch die Industrie in bestimmten Darreichungsformen nicht mehr geliefert würden. Davon sei vor allem die Psychiatrie betroffen. Hier fielen schon seit Jahren dauerhaft flüssige Darreichungsformen Lösungen, Säfte, Ampullen weg, weil diese aus wirtschaftlichen Gründen von den Firmen nicht mehr produziert würden.
Der VKD fordert von der Politik, zu prüfen, ob zum Beispiel Pharmafirmen verpflichtet werden können, bestimmte Lagerbestände im Lande vorzuhalten bzw. bei Engpässen frühzeitig über deren Art und Dauer zu informieren etwa in einem transparenten Register für Krankenhäuser und Ärzte. Wir haben es hier mit einem globalen Problem zu tun, denn in anderen Ländern, etwa den USA und der Schweiz, treten Lieferengpässe ebenfalls gehäuft auf. Hier beschäftigen sich bereits die Regierungen damit. Obwohl die nationalen Spielräume begrenzt sind, müssen auch hierzulande im Interesse unserer Patienten gemeinsam Lösungen gesucht werden, fordert Peter Asché. Gemeinsam bedeute, dass sich Krankenhäuser und Krankenkassen ebenso wie die Politik und die Pharmaunternehmen dafür verantwortlich fühlen.
Einige Beispiele aus der Krankenhauspraxis, die das Problem verdeutlichen:
Lieferengpässe und -abrisse gibt es z.B. in Krankenhäusern in Bayern bei den Zytostatika, bei Antibiotika und Infusionslösungen. So wird mitgeteilt, dass die Apotheker und Ärzte zwar auf alternative Präparate ausweichen, so dass die Versorgung der Patienten gesichert ist. Die Beschaffung sei aber deutlich aufwändiger. Teilweise könnten auch die Generikahersteller den Markt nicht mehr vollständig bedienen.
Auch in Nordrhein-Westfalen kommt es bei verschiedenen Präparaten immer wieder zu Lieferproblemen. So wird aus einem Klinikverbund berichtet, dass Tabletten zur Behandlung von Bluthochdruck und zur Osteoporose-Prophylaxe zum Teil wochenlang nicht lieferbar waren und auch Generika nicht zur Verfügung standen. Ebenfalls über Wochen konnte kein Hersteller Vitamin B 1-Tabletten liefern, so dass die Patienten nur Kombinationspräparate erhielten. Bei einem Medikament zur Behandlung von Entzugssymptomen war nach dem Wechsel des Produkts zu einem anderen Anbieter dieser wochenlang nicht lieferfähig und ein Ersatzprodukt ebenfalls nicht verfügbar. Patienten mussten daher z.T. auf ein völlig anderes Therapieschema umgestellt werden. Das Antibiotikum Fosfomycin ist seit einigen Monaten nicht mehr mit deutscher Zulassung zu beziehen, so dass einige Kurzinfusionen aus Japan importiert werden mussten. Schwieriger geworden ist ebenfalls die Beschaffung von Arzneistoffen zur Eigenherstellung von Psychopharmaka.
Probleme auch im Saarland: Teilweise erhalten die Krankenhausapotheken nicht einmal Informationen zu einem Liefertermin. Bemühungen um Ersatzpräparate kosten viel Zeit. Ohne diese Bemühungen hätten aber z.B. in einem großen Klinikum keine neurochirurgischen Operationen mehr durchgeführt werden können, da zudem viel zu spät mitgeteilt wurde, dass auf unbestimmte Zeit das notwendige Medikament nicht geliefert werden könne.
Knapp wird es zum Teil auch in hessischen Kliniken. Die größten Engpässe gibt es auch hier bei Antibiotika. Es müssen große Lagerbestände angelegt werden, um Lieferengpässe überbrücken zu können. Probleme treten teilweise bei Arzneien für die Krebstherapie auf.
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Datum: 22.08.2012 - 17:30 Uhr
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