Weser-Kurier: Kommentar zur Bundesliga im Jubiläumsjahr
ID: 706234
dieser 50. Auflage der Fußball-Bundesliga. Schafft Dortmund das
Triple? Oder dominieren mal wieder die Bayern? Bewährt sich das junge
Werder-Team? Wenn es gut läuft, dann geht es in den nächsten Monaten
nur um solche Fragen. Jeder, der etwas für diesen Sport übrig hat,
dürfte sich das wünschen. Man muss aber kein ausgemachter Pessimist
sein, um zu ahnen, dass es leider nicht so sein wird. Die Bundesliga
steht zu ihrem 50. Jubiläum unter besonderer Beobachtung. Denn in den
Stadien tummeln sich zunehmend Problemfälle, die der Liga zu schaffen
machen: Menschen, die tatsächlich glauben, Feuerwerk gehöre in
Stadien einfach dazu. Menschen, die meinen, Stadien seien ein
passender Ort, um rechte Gesinnung auszuleben. Menschen, die weniger
am Sport interessiert sind als daran, anderen auf die Nase zu hauen.
Es wäre zu schön, um wahr zu sein, wenn die Bilder der vergangenen
Saison eine Ausnahme bleiben sollten. Allerdings dürfte etwas anders
sein, wenn das in dieser Saison so weitergehen sollte. Die Zeit der
Runden Tische ist vorbei, bis an die Grenze der Glaubwürdigkeit ist
die Politik mit ihren Ermahnungen gegangen. Jetzt müssen die Vereine
liefern. Das sind sie nicht nur den "normalen" Zuschauern in den
Stadien schuldig, da haben die Vereine sogar eine Verantwortung der
Polizei gegenüber, deren Dienste sie bereits jetzt über die Maßen
beanspruchen. Auch die Vereine werden die Debatte registriert haben
darüber, was die Polizei noch leisten kann - und vor allem, was
nicht. Wer seine Leute nicht mehr zu Verkehrsunfällen mit leichten
Blechschäden rausschicken will, wer Reviere schließt und eine
beträchtliche Zahl von Überstunden hinnimmt, der sollte sich fragen,
ob er seine Polizisten noch wie selbstverständlich als Eskorte für
Fan-Gruppierungen einsetzen kann - auf Staatskosten wohlgemerkt. Man
darf daran erinnern: Die Bundesliga ist so reich wie nie. Wir dürfen
uns also auch in dieser Saison wieder auf einige Debatten einstellen,
sportlich, wie politisch. Das Schöne an der Bundesliga aber ist, das
man nie wirklich weiß, was passieren wird - auf dem Platz nicht und
neben dem Platz auch nicht.
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Datum: 23.08.2012 - 20:55 Uhr
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