Neue OZ: Kommentar zu Beschneidung/Ethikrat
ID: 706249
Wohltuend sachlich und sensibel hat der Deutsche Ethikrat gestern
über die religiös motivierte Beschneidung minderjähriger Jungen
debattiert. Trotz aller Differenzen einigten sich die Juristen,
Theologen und Mediziner auf eine Empfehlung, die praxisgerecht ist:
Die Experten wollen die Beschneidung straffrei halten, dies aber mit
bestimmten Auflagen wie der Betäubung verknüpfen. Dieser Kompromiss
wird den medizinischen wie rituellen Erfordernissen gerecht. Er
dürfte bei den meisten Juden und Muslimen Akzeptanz finden.
So lässt sich der Konflikt zwischen Körperverletzung einerseits
und den Interessen von Eltern und Kindern andererseits lösen - nicht
aber mit einem donnernden Machtwort der Kanzlerin, wie es der
israelische Innenminister Eli Jischal gefordert hat. Die
Bundespolitiker sollten nun auf Grundlage der Empfehlung des
Ethikrates bald einen Gesetzentwurf erstellen und beschließen. Erst
dann herrscht für die Betroffenen wieder Rechtssicherheit.
In der Debatte ging es auch um die viel diskutierte Rolle des
Staates und wieweit er in Religion und Erziehung eingreifen darf.
Zugleich wurde deutlich, dass jüdische und muslimische Eltern auch
dann das Kindeswohl im Blick haben, wenn sie die Beschneidung ihrer
Söhne wollen. Dies gehört für sie zur religiösen Integration. Dass
sie diese Pflicht so ernst nehmen, mag vielen in einer säkularen
Gesellschaft fremd erscheinen. Doch auch gegenüber Religionen sind
Toleranz und Respekt gefragt.
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Datum: 23.08.2012 - 22:00 Uhr
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