Katastrophenvorsorge: Menschen mit Behinderung einbeziehen

Katastrophenvorsorge: Menschen mit Behinderung einbeziehen

ID: 708759

Katastrophenvorsorge: Menschen mit Behinderung einbeziehen



(pressrelations) -
Ashutosh Dey, zuständig für die Katastrophenvorsorgeprojekte der Johanniter in Afghanistan

Überflutungen, Dürren, Erdbeben und Erdrutsche stellen für die ohnehin sehr arme Bevölkerung im Norden Afghanistans eine zusätzliche Herausforderung dar. Bereits im Jahr 2010 hat die Johanniter-Auslandshilfe begonnen, Projekte zur Katastrophenvorsorge und medizinischen Erstversorgung durchzuführen, um die lokale Bevölkerung besser auf mögliche Krisensituationen vorzubereiten.

Ein besonderes Augenmerk legt das Team von internationalen und afghanischen Trainern auf die besonderen Risiken, mit denen Menschen mit Behinderung im Katastrophenfall konfrontiert sind. Im Interview berichtet Ashutosh Dey, Projektkoordinator der Johanniter in Afghanistan, über die entwickelten Handlungsansätze.

Johanniter: Warum ist es so wichtig, Menschen mit Behinderung in einem Projekt zur Katastrophenvorsorge besonders zu berücksichtigen?

Ashutosh Dey: In Afghanistan leben etwa zwei Millionen Menschen mit einer Behinderung. Viele von ihnen gehören zu den Ärmsten der Armen. Sie sind häufig von der Gesellschaft ausgeschlossen und haben keinen Zugang zu Wissen und Informationen. Schon allein deswegen werden sie in einer Katastrophe sehr oft schlicht vergessen. Sie können die Katastrophenwarnung nicht hören oder sehen, sitzen in ihren Häusern fest, können sich nicht in Sicherheit bringen und werden von der Familie oder anderen Betreuungspersonen getrennt oder zurückgelassen.

Johanniter: Was brauchen Menschen mit Behinderung denn im Fall einer Katastrophe?

Ashutosh Dey: Zunächst einmal haben Menschen mit Behinderung die gleichen Bedürfnisse wie jeder andere Mensch auch. Sie benötigen eine sichere Unterkunft, sauberes Wasser, Nahrung und gegebenenfalls gesundheitliche Versorgung. Um ihre Basisbedürfnisse decken zu können haben sie jedoch eventuell besondere Bedürfnisse, die mit ihrer Beeinträchtigung zusammenhängen. So brauchen sie vielleicht individuelle Unterstützung, Hilfsmittel, spezifische Formen der Kommunikation, Medikamente oder Zugang zu Rehabilitationsdiensten.



Johanniter: Was muss man also tun, damit Menschen mit Behinderung in einer Katastrophe nicht vergessen werden?

Ashutosh Dey: Der wichtigste Schritt ist, Menschen mit Behinderung in alle Aktivitäten vor, während und nach einer Katastrophe aktiv einzubeziehen. Denn sie selbst wissen am besten, was sie brauchen und was sie leisten können. So sollten Menschen mit Behinderung oder Mitglieder von Selbstvertretungsorganisationen eingeladen werden, sich in den Katastrophenvorsorge-Komitees in den Gemeinden zu beteiligen. Die Komitees sind dafür verantwortlich, Gefährdungen in der Gemeinde zu dokumentieren und einen konkreten Plan zu entwickeln, was bei einer Katastrophe zu tun ist. In diesem Rahmen gilt es, Menschen mit besonderen Bedarfen in der Gemeinde zu identifizieren, so dass das Komitee am Ende eine Liste mit den Namen, Adressen und Kontaktdaten hat. Zudem sollte klar sein, wer sich gegebenenfalls um die Personen kümmert. Im nächsten Schritt ist es dann wichtig, Warnsysteme zu entwickeln, die alle Menschen erreichen. So wird eventuell eine Sirene benötigt, um Menschen mit Sehbehinderung zu erreichen. Visuelle Signale können wiederum Menschen mit Hörbehinderung alarmieren. Die Fluchtwege und Sammelstellen müssen ebenfalls für alle Menschen erreichbar sein.

Johanniter: Wie stellen die Johanniter sicher, dass solche Maßnahmen in den Gemeinden, in denen Sie arbeiten, auch umgesetzt werden?

Ashutosh Dey: Zunächst geht es uns darum, alle Beteiligten für die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Menschen mit Behinderung zu sensibilisieren. Wir laden beispielsweise Menschen ein, von ihren Erfahrungen zu berichten. Zudem vermitteln wir umfangreiche Informationen zu den verschiedenen Formen von Behinderung und den Hauptrisiken für Menschen mit Behinderung in Katastrophen. Dann erarbeiten wir gemeinsam praktische Wege, diesen Risiken erfolgreich zu begegnen. Diese Aktivitäten sind für uns ein Weg, bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Bewusstsein dafür zu wecken, dass Menschen mit Behinderung ein Recht darauf haben, in einer Katastrophe größtmöglichen Schutz und Unterstützung zu erhalten.

Johanniter: Haben Sie den Eindruck, dass die Teilnehmer in ihren Trainings bezüglich der Einbeziehung von Menschen mit Behinderung etwas in ihren Alltag mitnehmen?

Ashutosh Dey: Ja, die Trainingsteilnehmer beginnen, ihre Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderung zu verändern. Sie erkennen, dass ein Mensch mit einer körperlichen oder einer Sinnesbeeinträchtigung die gleichen Rechte hat wie jeder andere auch und dass er oder auch sie wichtige Aufgaben in der Gemeinschaft übernehmen kann. Darüber hinaus haben einige Bildungseinrichtungen begonnen, Barrieren abzubauen. Sie haben zum Beispiel Rampen gebaut, um Menschen mit Körperbehinderung den Zugang zu erleichtern. Über die Maßnahmen freuen sich auch andere Personen mit Mobilitätseinschränkungen, etwa ältere Menschen oder schwangere Frauen. Somit kann sich die Einbeziehung von Menschen mit Behinderung auch positiv auf die Einbeziehung anderer Gruppen auswirken.

Johanniter: Über die Trainings hinaus, welche Maßnahmen sind notwendig, um Menschen mit Behinderung in einer Katastrophe angemessen zu schützen?

Ashutosh Dey: Im Rahmen unseres Projektes haben wir keine Mittel, um notwendige Gehhilfen, Rollstühle oder Hörgeräte zur Verfügung zu stellen. Die Verfügbarkeit angemessener Hilfsmittel würde jedoch die Fähigkeit der Menschen, sich in einer Katastrophe selbst zu helfen, noch erheblich verbessern.

Das Interview führte Anne Ernst, Beraterin für Behinderung Rehabilitation bei der Johanniter-Auslandshilfe.

Unterstützen Sie die Johanniter mit einer Spende, so dass Menschen mit Behinderung in Afghanistan zukünftig auch mit Gehhilfen, Rollstühlen oder anderen Hilfsmitteln versorgt werden können.


Ihr persönlicher Ansprechpartner:

Sandra Lorenz
Telefon: 030 26997-356
Lützowstr. 94
10785 Berlin
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  HSE sucht beim Biogas Alternativen zum Energiemais Regierung von Estland finanziert größten Solarpark des Landes mit Nachführsystemen von DEGERenergie
Bereitgestellt von Benutzer: pressrelations
Datum: 28.08.2012 - 16:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 708759
Anzahl Zeichen: 6424

pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen


Diese Pressemitteilung wurde bisher 322 mal aufgerufen.

Firmenkleidung für Messen und Teams: Was Betriebe vor der Bestellung klären sollten ...
Firmenkleidung für Messen und Teams: Was Betriebe vor der Bestellung klären sollten Firmenkleidung ist mehr als ein Logo auf einem Shirt. Sie hilft Besuchern, Mitarbeiter zu erkennen. Sie kann einem Messestand Struktur geben. Sie kann auch dafür sorgen, dass ein Team bei lokalen Aktionen einheit

Warum Gartenhäuser aus Holz hervorragende Kreativräume sind ...
Die Schalldämmung sollte für das gesamte Gebäude geplant werden, anstatt nachträglich einzelne Produkte miteinander zu kombinieren. Wenn Struktur, Öffnungen, technische Installationen, Belüftung und Raumakustik auf dasselbe Ziel ausgerichtet sind, entsteht ein Kreativraum, der komfortabel genu

Digital unterwegs: Wie eSIM den mobilen Arbeitsalltag vereinfacht ...
Wie funktioniert die Einrichtung einer eSIM? Eine eSIM ist fest im kompatiblen Smartphone oder Tablet verbaut. Der Mobilfunktarif wird digital auf das Gerät geladen – ohne SIM-Nadel, Kartenwechsel oder Briefkasten-Drama. Technisch lassen sich mehrere Mobilfunkprofile speichern; welches und wie v

HSE sucht beim Biogas Alternativen zum Energiemais ...
Blumenwiesen als Energiequelle - Pilotprojekt gestartet DARMSTADT (blu) - Die HSE prüft in einem Pilotprojekt die Eignung von Ackerblumen für die Biogasproduktion. Es soll Aufschluss darüber geben, ob sie Energiepflanzen wie Mais ergänzen können. "Wir wollen die Einsatzstoffe für di

Energiewende durch Trendwende? / Markt, Kosteneffizienz und viele Marktteilnehmer statt Dauersubvention und steigende EEG-Umlage ...
"Jetzt die Erneuerbaren auszubremsen, wäre fatal", erklärt Reinhard Schultz, Geschäftsführer des Biogasrat+ e.V. mit Blick auf die Positionierung des Bundesumweltministers im Rahmen des heutigen Energiegipfels. Zwar sei der zunehmende Anteil volatiler Energiequellen im Gesamtsystem

Solide Basis für Spitzenleistungen ...
Neumarkt - Der Kunde macht sich kaum Gedanken darüber, was sich unter seinen PV-Modulen befindet. Und das ist ja auch in Ordnung. Schließlich soll man eine Unterkonstruktion gerade auf einem Dach möglichst wenig sehen. Doch für den Solarhandwerker ist dieses Thema immer aktuell. Geht es hier doc

Stromausfall in Messel und Wixhausen ...
MESSEL/WIXHAUSEN (dah) - Ein Kabelfehler im Mittelspannungsnetz hat am Dienstag (28.) in Teilen von Messel und Wixhausen einen Stromausfall verursacht. Die Versorgung war in Messel zwischen 9.50 Uhr und 10.35 Uhr unterbrochen. Die betroffenen Teile von Wixhausen waren ab 10.50 für rund zwei Stund


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z