Börsen-Zeitung: Gute Daten, Kommentar zu den jüngsten Daten über das Wachstum der Kredite und der Geldmenge im Euroraum, von Stephan Balling.
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Unsicherheit über die Zukunft des Währungsraums, des nötigen
Deleveragings der Banken und des geforderten Schuldenabbaus bei
Privat- und Staatshaushalten sind die jüngsten Daten über das
Wachstum der Kredite und der Geldmenge im Euroraum sogar ganz gut.
Sicher, große Wachstumssprünge des volkswirtschaftlichen Outputs sind
vorerst nicht zu erwarten, aber von Wachstum auf Pump sollten wir
auch erst mal genug haben.
Anlass für eine weitere Lockerung der Geldpolitik geben die Daten
jedenfalls nicht: Das Kreditwachstum lässt vorerst nicht auf eine
Deflation schließen. Das wichtige, breit gefasste Geldmengenaggregat
M3 legte in den vergangenen Monaten sukzessive zu und hat im Juli
eine Jahreswachstumsrate von 3,8% erreicht. Trotzdem wird es Mario
Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), bei seiner
Pressekonferenz in der kommenden Woche wohl abermals als "verhalten"
bezeichnen, schließlich hält er eine Rate von 6 bis 8% für
angemessen. Doch solange Draghi eine Begründung für die von ihm
genannte Größe schuldig bleibt und lediglich auf langjährige
Durchschnittswerte verweist - die vor allem auf der Zeit des
Immobilienbooms in weiten Teilen Europas beruhen - ist nicht zu
akzeptieren, dass er die Geldpolitik mit Verweis auf M3 lockert.
Dasselbe gilt für M1. Dieses Aggregat ist enger gefasst, ergibt
sich nur aus den Sichteinlagen der Nichtbanken sowie dem gesamten
Bargeldumlauf. Es wuchs zuletzt um 4,5%. Empirisch deutet ein
wachsendes M1 auf ein Anziehen der Wirtschaftsleistung hin.
Zugegeben, das widerspricht der Theorie, nach der in Krisenzeiten
kurzlaufende Anlagen gehalten werden, also ein wachsendes M1 ein
Krisensignal wäre. Aber in den vergangenen Jahrzehnten verlief die
knapp gefasste Geldmenge mit einigen Monaten Vorlauf synchron mit der
Konjunktur.
Vor allem aber gibt es noch keine Bargeldhortung. Dies wäre ein
echtes Krisensignal. Doch hier lag die Jahreswachstumsrate im
Eurogebiet zuletzt bei 5,9% (Juliwert). Zum Vergleich: Auf dem
Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 schnellte die Wachstumsrate
für die folgenden zwölf Monate auf gut 13% hoch, während M1 - als
Krisenfrühwarner - schon vorher auf fast 0% eingebrochen war. Dieses
echte Warnsignal rechtfertigte damals den beherzten Kriseneingriff
der EZB. Derzeit deuten die Daten solche Risiken nicht an. Die
Risiken, denen Euroland ausgesetzt ist, sind politischer Natur.
Deshalb sollten sie auch die Regierungen lösen, nicht die Notenbank.
(Börsen-Zeitung, 29.8.2012)
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