Neue OZ: Kommentar zu Briefporto

Neue OZ: Kommentar zu Briefporto

ID: 733694
(ots) - Die Masse macht's

Auf den ersten Blick betrifft die wichtigste Auswirkung der
Porto-Erhöhungen bei der Post eher die Briefmarkensammler: Sie können
ab 2013 auch Drei-Cent-Standardmarken in ihre Alben stecken. Da immer
mehr Leute E-Mails oder SMS verschicken, anstatt Briefe zu schreiben,
wird die von 55 auf 58 Cent minimal teurer gewordene Beförderung
solcher Schreiben für die überwältigende Mehrheit der Haushalte kaum
einen Unterschied machen - im Schnitt unter zehn Cent pro Monat.

Dass der Logistikkonzern nach 15 Jahren erstmals wieder etwas mehr
Geld für den Standardbrief verlangt, ist also zu verschmerzen. Vor
allem im Vergleich zum europäischen Ausland, wo das Versenden von
Briefen und Karten generell einiges teurer ist.

Die Brisanz der Porto-Erhöhung wird erst auf den zweiten Blick
ersichtlich: Der Staatsmonopolist will dadurch seinen operativen
Gewinn in der Briefsparte bei 1,1 Milliarden Euro stabilisieren. Ohne
mehr Geld von den einfachen Briefeschreibern zu verlangen, wird das
jedoch immer schwieriger. Denn die Post steht im Großkunden-Geschäft
mächtig unter Druck von privater Konkurrenz. Damit Unternehmen dem
Marktführer die Treue halten, erhalten sie großzügige Rabatte.

Die Post geht den Weg des geringsten Widerstandes: Die einzelnen
Verbraucher wehren sich nicht. In der Masse werden sie indes
geschröpft.



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Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

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Datum: 01.10.2012 - 22:00 Uhr
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