Neue OZ: Kommentar zu James Bond
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Weltlage, Geschlechterbilder, der Blick auf staatliche Gewalt: Die
Koordinaten, in denen 007 zur Marke wurde, sind längst über den
Haufen geworfen. Einem planmäßig angetrunkenen Dauer-Flachleger
erteilt keiner mehr die Lizenz zum Töten. Trotzdem hat Bond den
Bewusstseinswandel von fünf Jahrzehnten überlebt. Wieso?
Es gibt keine Bauanleitung für Mythen der Pop-Kultur. So viel aber
lässt sich sagen: 007 war immer zweideutig, und Ironie macht
anpassungsfähig. Beim Debüt konnte man sich den damals hochgradig
versauten Bikini von Ursula Andress nur erlauben, weil zum Sex das
Augenzwinkern kam. Ende der 70er stieß der Berufsschalk Roger Moore
die Tür zum postmodernen Klamauk auf. Später versöhnte der Humor ein
skeptischeres Publikum mit dem Bombast der Filme. Selbst der
Illusionsbruch der Darstellerwechsel ist im verbündlerischen Witz
abgefedert.
Längst wird die Strategie kopiert: Johnny Depp hat mit seinen
Spleens das Piratengenre wiedererweckt, Robert Downey jr. den
Detektivfilm. Und Bond? Verhält sich kontrapunktisch - mit einem
betont humorlosen Testosteron-Fighter.
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Datum: 04.10.2012 - 22:00 Uhr
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