Mindener Tageblatt: Kommentar zur Diskussion um Nebeneinkünfte /
Totalitäre Transparenz
ID: 736748
nach vorne an. "Totale Transparenz" fordert er nun bei der Vergütung
von Nebentätigkeiten für Abgeordnete, natürlich von allen. Und er
wäre nicht er, schenkte er seinen Kritikern (von denen nicht wenige
demnächst für ihn Plakate kleben sollen) dabei nicht gleich noch
ordentlich einen ein. Dass Steinbrück sich rechtlich sicher
einwandfrei verhalten hat, zeigt schon seine penible Meldeliste. Dass
er seinen Marktwert als Redner und Autor geschäftstüchtig zu nutzen
weiß, kann ihm nicht ernsthaft zum Vorwurf gemacht werden. Dass man
als Bundestagsabgeordneter 24 Stunden rund um die Uhr ausschließlich
mit Wahlkreisarbeit, Aktenstudium, Bundestagsdebatten und dem
Ausfüllen von Anwesenheitslisten bei Fraktionssitzungen verbringen
soll, verlangt nicht einmal das Grundgesetz. Zum Glück: Welche Sorte
Politiker sollte wohl dabei herauskommen? Ob sich die Bürger von
Wahlkreisabgeordneten oder Listen aufstellenden Parteien gut im
Parlament vertreten fühlen, entscheiden Sie an der Urne; in die der
Stimmabgabe vorausgehende Beurteilung dürften die unterschiedlichsten
Kriterien einfließen. Beim Kandidaten für das wichtigste Führungsamt
lautet die entscheidende Frage wohl: Kann er Kanzler? Und nicht: Was
rechtfertigt seine Honorarsätze als Vortragsredner? Wobei die Antwort
auf 1) vielleicht schon die auf 2) sein könnte ... In Wahrheit steckt
hinter großen Teilen der jetzt wieder an Peer Steinbrück wegen seiner
Nebentätigkeiten geäußerten Kritik auch nicht solche an der Qualität
seiner politischen Arbeit. Vielmehr kommt hier - neben manch
unterschwelligem Neidmotiv - auch das grundsätzliche Misstrauen
mancher Bürger gegenüber der repräsentativen Demokratie zum Ausdruck.
Es unterstellt letztlich Bestechlichkeit, Kungelei, Vorteilsnahme,
kurz Unehrenhaftigkeit. Dieser Generalverdacht ist nicht nur schäbig.
Er entzieht unserem politischen System auch den Boden des Vertrauens,
auf dem allein es existieren kann. Selbstverständlich hat der Bürger
Anspruch auf Transparenz. Total kann sie nicht sein, weil die
Gesellschaft selbst aus guten Gründen für sich das Recht auf
Privatheit und Datenschutz in Anspruch nimmt. Den Rest müssen
funktionierende Kontrollsysteme regeln. Die gibt es. Oder man kann
sie verbessern.
Pressekontakt:
Mindener Tageblatt
Christoph Pepper
Telefon: (0571) 882-/-248
chp@mt-online.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 07.10.2012 - 19:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 736748
Anzahl Zeichen: 2662
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Minden
Kategorie:
Innenpolitik
Diese Pressemitteilung wurde bisher 244 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mindener Tageblatt: Kommentar zur Diskussion um Nebeneinkünfte /
Totalitäre Transparenz"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Mindener Tageblatt (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Weitere Mitteilungen von Mindener Tageblatt
Lausitzer Rundschau: Nebentätigkeit von Abgeordneten ...
Bestechlich war Peer Steinbrück sicher nicht. Eher schon wird er sich darüber amüsiert haben, dass Banken ihm so viel dafür zahlten, mal Klartext über ihre Branche zu hören. Was Steinbrück so verunsichert ist, dass die jetzt ins Rampenlicht gerückte lange Liste von sehr gut honorierten Re
DER STANDARD-Kommentar "Wider die National-Untugend Neid" von Conrad Seidl ...
Dass Frauen für gleichwertige Arbeit weniger bezahlt bekommen als Männer, ist eine der zentralen Ungerechtigkeitsvermutungen unserer Gesellschaft. Gestützt wird sie durch zahlreiche Studien, die die Ungleichbehandlung in Prozentwerten darzustellen versuchen. Dass diese Studien zu unterschiedliche
Westfalenpost: Zur wachsenden Suchtgefahr beiälteren Menschen Ein schmaler Grat zur Abhängigkeit Von Wilfried Goebels ...
Die "stille Katastrophe" findet tagtäglich in den eigenen vier Wänden statt. Im Gegensatz zu Jugendlichen fallen Ältere mit ihrem Suchtverhalten in der Öffentlichkeit kaum negativ auf. Suchtprobleme, Vereinsamung und Sinnleere zeigen sich zu Hause im privaten Umfeld. Die Grenzen zwi
Neues Deutschland: Steinbrücks Qualifikations-Ausweis ...
Die Behauptung, Transparenz sei typisch für Diktaturen, entwertet Peer Steinbrücks Ankündigung, einen Teil der Wahrheit über seine Nebeneinkünfte offenzulegen, vollständig. Sein guter Wille folgt wohl nur dem Kalkül der Schadensbegrenzung. Eines persönlichen Schadens, mit etwas gutem Wil




