"DER STANDARD"-Kommentar: "Kein wirklich großer Wurf" von Petra Stuiber

"DER STANDARD"-Kommentar: "Kein wirklich großer Wurf"
von Petra Stuiber

ID: 739556
(ots) - Das Positive zuerst: Es hätte schlimmer kommen
können. Der neue Entwurf zum Familienrechtsgesetz wirkt in der ersten
Durchsicht überlegt, einigermaßen ausgewogen und - mit Abstrichen -
auch stimmig. Die Ministerinnen Beatrix Karl und Gabriele
Heinisch-Hosek haben sich bemüht, das Kindeswohl ins Zentrum ihrer
Überlegungen zu stellen. Das ist grundsätzlich begrüßenswert. Ein
"großer Wurf", wie die beiden Ministerinnen selbst schwärmten, ist
ihnen freilich nicht gelungen. Es hätte einer werden können - hätte
man beiden Elternteilen nicht nur gleiche Rechte, sondern auch
gleiche Pflichten auferlegt. Etwa so: Chancengleichheit für Vater und
Mutter im Trennungsfall - aber auch die Chance für das Kind, ab
seiner Geburt von Mutter und Vater zu (annähernd) gleichen Teilen
betreut zu werden. Das hätte bedingt, dass nicht nur legistisch
repariert wird, was nach einem EuGH- und einem VfGH-Urteil zwingend
notwendig war - sondern dass sich die Koalition zu einem modernen
gesellschaftspolitischen Gesamtkonzept durchringt. Soll heißen:
Gemeinsame Karenzpflichten für Mutter und Vater bei der Geburt des
Kindes, gemeinsame Obsorge in aufrechter Partnerschaft, und - im
Normalfall - dann auch gemeinsame Obsorge, wenn sich die Eltern
trennen. Ein solches Paket zu schnüren wäre eine lohnende und auch
sehr sinnvolle Aufgabe gewesen. Dann hätten es Familiengerichte im
Trennungsfall leichter, festzustellen, wie sehr sich die jeweiligen
Eltern tatsächlich über die Jahre für ihre Kinder engagierten. Denn,
auch das ist Arbeitsalltag von Familienrichtern: So mancher Vater
entdeckt seine Liebe zum Kind erst, wenn die Beziehung zur Mutter in
die Brüche gegangen ist - während er in aufrechter Ehe nicht auf die
Idee kam, in Karenz zu gehen, dem vergrippten Kind zuliebe
Pflegeurlaub zu nehmen oder einmal auf karriereträchtige Überstunden


zu verzichten. Insofern ist auch die nun vorgeschriebene, sechs
Monate dauernde, "Abkühlphase" zwischen streitenden Ex-Partnern mit
ein wenig Skepsis zu sehen: Ein halbes Jahr ist eine absehbare
Zeitspanne - wer da das große
Ich-bin-ein-engagierter-Elternteil-Feuerwerk abziehen will, hält das
wohl problemlos durch - schwierig für Familienrichter, von einer
sechsmonatigen Ausnahme-Performance auf den Normalfall zu schließen.
Überhaupt wird auf die Familienrichter einiges zukommen, wenn sie den
schwammigen Begriff "Kindeswohl" ernst nehmen. Denn das bedeutet:
viel Zeit investieren, viele Recherchen anstellen und viel nachdenken
über jeden strittigen Einzelfall, der als Akt vor ihnen landet. Ob
dieser Idealfall dann auch eintritt, hängt nicht zuletzt davon ab,
wie die Politik gedenkt, Richter künftig zu unterstützen.
Absichtserklärungen mit grässlichen Namen gibt es genug: So will die
Justizministerin die "Familiengerichtshilfe" ausbauen und den
Streitparteien "BesuchsmittlerInnen" zur Seite stelle. Die
grundsätzliche Ausrichtung stimmt zwar: Familiengerichte und
Jugendämter müssen stärker als bisher miteinander und diese wiederum
mit Kinderpsychologen und Mediatoren vernetzt werden, damit alle
Beteiligten in ihrem Trennungsstress und -schmerz tatsächlich nicht
auf das Wohl der Kinder vergessen. Wie das funktionieren soll und ob
das auch zusätzliche Planposten bedeutet, darüber schwiegen sich die
Ministerinnen bei der Präsentation ihres "großen Wurfs" freilich aus.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Tickets für die Premiere zum Auftakt des LED ZEPPELIN CELEBRATION DAY ab sofort erhältlich SSI-Online-Sampling erreicht beste Ergebnisse in unabhängigem Test
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 10.10.2012 - 18:56 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 739556
Anzahl Zeichen: 3799

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Die Richtung im Familienrechtspaket stimmt, es bleibt nur auf halbem Weg stecken - Ausgbe vom 11.10.



Kategorie:

Medien und Unterhaltung



Diese Pressemitteilung wurde bisher 310 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
""DER STANDARD"-Kommentar: "Kein wirklich großer Wurf"
von Petra Stuiber
"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Der Standard (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).


Weitere Mitteilungen von Der Standard


Tickets für die Premiere zum Auftakt des LED ZEPPELIN CELEBRATION DAY ab sofort erhältlich ...
Das einzige Konzert, das LED ZEPPELIN seit ih-rer Trennung 1980 gemeinsam gegeben haben, konnten damals lediglich 18.000 Fans in der O2-Arena erleben – fast 20 Millionen Fans hatten jedoch versucht, Tickets zu ergattern. Während des Konzerts gab die Band, die bereits über 300 Millionen Platten

Rede von Außenminister Guido Westerwelle zur Eröffnung der VN-Konferenz 'Police and UN peacekeeping' ...
-- es gilt das gesprochene Wort -- Under-Secretary General Haq, Excellencies, Ladies and gentlemen, Welcome to Berlin and to the Federal Foreign Office. Almost 100 member states and various United Nations organizations are represented here today. Thank you all for coming and for your i

AUMA veröffentlicht Studie zur Zukunft der Publikumsmessen ...
Angesichts starker ökonomischer und demografischer Veränderungen und neuer Informationskanäle stehen Publikumsmessen vor erheblichen Herausforderungen; sie haben aber auch gute Chancen, sich im Wettbewerb um Zeit, Geld und Aufmerksamkeit des Konsumenten zu behaupten. Welche Faktoren im D

Auf den Spuren der Bernsteinstraße/ ZDF-Zweiteiler "Terra X" folgt der Handelsroute von der Ostsee bis zum Nil (BILD) ...
Bei seiner Suche nach Troja stieß der Archäologe Heinrich Schliemann in Mykene auf Tausende Bernsteinperlen aus der Bronzezeit. Auch in anderen Herrschergräbern im östlichen Mittelmeerraum entdecken Forscher immer wieder das fossile Harz der Ostsee. Das legt die Vermutung nahe, dass eine u


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z