Schwäbische Zeitung: Staatsmedizin lässt grüßen - Kommentar
ID: 739610
bösen Buben. Angeblich bekommen sie den Hals nicht voll. Sie
streiken, obwohl ihnen die Kassen Milliarden in den Rachen werfen.
Wahr sind solche Vorurteile zwar nicht. Aber sie sind so wohlfeil,
dass redlicher Umgang mit dem Thema Politik und Medien schwerfällt.
Wahr ist: Am besten verdienen Ärzte, die wenig arbeiten und Patienten
möglichst schnell in Krankenhäuser abschieben, wenn diese richtig
krank sind. Das System will das so, weil es Pauschalen vorsieht und
Kosten deckelt. Ein Doktor, der schwerkranke Patienten versorgt,
zahlt oft drauf und muss sich mit Regressforderungen herumschlagen.
Von leistungsgerechter Bezahlung ist die Honorarverteilung weit
entfernt. Daran ändert nichts, dass Ärzte bei allem Gejammer
anständig verdienen - aber nicht wenige bezahlen dafür einen hohen
Preis: Wochenarbeitszeiten von 60 und 70 Stunden, kaum Zeit für die
Familie, Hausbesuche bei Wind und Wetter. Dass sich selbst für Praxen
mit sehr hohen Einkünften keine Nachfolger finden, sagt alles.
Zur Wahrheit gehört zudem, dass die hausärztliche Versorgung
gerade mal zehn Prozent der Gesamtkosten des Gesundheitswesens
ausmacht. Wer hier über Alternativen nachdenkt, muss damit rechnen,
dass diese mit Sicherheit für horrende Kostensteigerungen sorgen. Das
gilt auch für Kraftproben wie die aktuelle. Nicht die Forderungen der
Ärzte, die Ausgleich für gestiegene Kosten verlangen, sind der
Skandal, sondern Versuche, diesen Ansprüchen mit einer Neiddebatte zu
begegnen.
Während Ärzte längst gezwungen werden, ihren Patienten die
bestmögliche Therapie zu verweigern, horten viele Kassen Überschüsse
und wecken so Begehrlichkeiten bei Politikern, die Kostendämpfung zum
Maß der Dinge erklären wollen. Bezahlen werden dafür nicht nur die
Ärzte, denen Bürokratie und Zwangsverwaltung zunehmend den Beruf
verleiden, sondern vor allem die Patienten, die das System zur Ware
macht. Die Staatsmedizin lässt grüßen, und dagegen können Proteste
gar nicht laut genug sein.
Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 07561-80 100
redaktion@schwaebische-zeitung.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 10.10.2012 - 21:08 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 739610
Anzahl Zeichen: 2408
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Leutkirch
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 231 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Schwäbische Zeitung: Staatsmedizin lässt grüßen - Kommentar"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Schwäbische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Weitere Mitteilungen von Schwäbische Zeitung
Weser-Kurier: Zur Einigung vonÄrzten und Kassen im Honorarstreit schreibt der "Weser-Kurier" (Bremen) in seiner Ausgabe vom 11. Oktober 2012: ...
Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland verdienen im nächsten Jahr 1,27 Milliarden Euro mehr. Trotzdem hat es gestern Praxisschließungen gegeben. Aus Protest dagegen, dass die Einigung mit den Krankenkassen "nur" ein Honorarplus von vier statt der geforderten elf (!) Prozent gebrac
Rheinische Post: Einfühlsamer Gauck = Von Matthias Beermann ...
Das deutsch-tschechische Verhältnis mag heute so gut sein wie noch nie in der Geschichte, es bleibt dennoch kompliziert. Da ist die Last der Geschichte, aber auch politischer Streit aus der jüngeren Zeit. Joachim Gauck hat versucht, beidem gerecht zu werden, und das ist ihm gelungen. Als erste
Rheinische Post: Mörder und Kläger = Von Reinhold Michels ...
Man wird den Kindermörder Markus Gäfgen für ein abgefeimtes Charakterchen halten müssen; ein fürchterlicher Jurist ist dieser von seinem Anwalt leider nicht gebremste Prozesshansel und Ichling obendrein. Nun sind jedoch vor dem Gesetz alle gleich. "Die Würde des Menschen ist unantastbar
Rheinische Post:Ärzte - darf's etwas mehr sein? = Von Antje Höning ...
Die niedergelassenen Ärzte haben wie jede Berufsgruppe das Recht auf eine angemessene Bezahlung. Und diese sollte insbesondere berücksichtigen, welche hohe fachliche Kompetenz Ärzte haben müssen, welch' hohe Verantwortung sie tragen und in welch' teure Apparate sie teilweise invest




