Reporter ohne Grenzen:Überfälle auf Journalisten vor der Wahl in der Ukraine

Reporter ohne Grenzen:Überfälle auf Journalisten vor der Wahl in der Ukraine

ID: 749535
(ots) - Vor der Parlamentswahl in der Ukraine am Sonntag
(28. Oktober) stehen Journalisten dort stark unter Druck. In den
vergangenen drei Monaten wurden sechs Reporter Opfer schwerer
Gewalttaten, einer von ihnen starb an seinen Verletzungen. Mindestens
25 Berichterstatter wurden zum Teil mit Gewalt an ihrer Arbeit
gehindert. Prominente Journalisten gaben aus Protest gegen politische
Einflussnahme ihre Posten auf. "Für ein Land, das im Januar den
OSZE-Vorsitz übernimmt, ist das beschämend", so Reporter ohne
Grenzen. "Die ukrainische Regierung muss für ein Klima sorgen, in dem
Journalisten ohne Angst vor Gewalt kritisch berichten können."

Erst vor zehn Tagen, am 15. Oktober, wurde erneut ein Journalist
von Unbekannten entführt. Konstantin Kowalenko hatte über Stimmenkauf
vor der Wahl recherchiert. Seine Entführer hätten ihm mehrmals in den
Magen getreten, ihn durch simuliertes Ertränken gefoltert und gedroht
ihn zu ermorden, berichtet der Journalist auf seinem Blog. Zahlreiche
weitere Reporter wurden in den vergangenen Wochen zum Teil mit Gewalt
daran gehindert, über Wahlkampfveranstaltungen und Kundgebungen zu
berichten. Reporter ohne Grenzen dokumentiert diese Fälle auf seinen
englischsprachigen Seiten: http://bit.ly/QFm5Pi. Nur äußerst selten
werden solche Übergriffe aufgeklärt und die Täter bestraft.

Besonders gefährlich war es, im Wahlkampf über Umweltschutz und
Korruption bei der Landnutzung zu berichten. Am 3. August starb der
Umweltaktivist und Herausgeber der Zeitung EKO Bezpeka (ECO
Sicherheit) Vladimir Gontscharenko an den Folgen eines brutalen
Überfalls. Die Polizei schließt nicht aus, dass er wegen seiner
Arbeit angegriffen wurde. Gontscharenko hatte über die Verschmutzung
des Dnjepr recherchiert, des größten Flusses in der Ukraine, und fünf
Tage vor dem Überfall über eine illegale Müllhalde für chemische und


radioaktive Abfälle berichtet. Dmytro Wolkow, Reporter für das
investigative Programm "Hroshi" beim landesweiten Fernsehsender 1+1,
wurde am 26. September von Unbekannten zusammengeschlagen und schwer
verletzt. Er hatte über illegale Landvergabe in der Nähe der
ukrainischen Hauptstadt Kiew recherchiert.

Der Druck war dabei immer stärker auch in den Redaktionen zu
spüren. Mehrere prominente Journalisten gaben deshalb ihre Posten
auf. Natalia Sokolenko, eine der besten investigativen Reporterinnen
der Ukraine, verließ im Sommer den Sender STB-TV. Sie weigere sich,
"bestellte Nachrichten" zu senden, so die preisgekrönte Journalistin.
Sokolenko bloggt nun für die Internet-Zeitung Ukrainskaja Prawda
(www.pravda.com.ua) und dokumentiert Zensur in regionalen Medien.
Auch Olga Godowenko und Olga Komarowa vom Fernsehsender MIG TV in
der Südukraine gaben ihre Arbeit auf, weil sie es ablehnten, "die
Interessen einer bestimmten politischen Partei zu repräsentieren" und
nicht mehr fähig seien, "ihre Arbeit mit den Prinzipien eines
ethischen Journalismus zu vereinbaren".

Große Probleme hat auch TVi, einer der wenigen Fernsehsender, die
kritisch über Präsident Viktor Janukowitsch berichten. Ein Verfahren
wegen Steuerhinterziehung gegen TVi wurde im September eingestellt,
doch immer weniger Kabelanbieter übertragen den Sender, vor allem im
Osten des Landes. (http://bit.ly/NLeM9D)

Auf der weltweiten ROG-Rangliste der Pressefreiheit steht die
Ukraine auf Platz 116 von 179.

Weitere Informationen in englischer Sprache finden Sie unter:
http://bit.ly/QFm5Pi.



Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Ulrike Gruska
Pressearbeit
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de
T: +49 (0)30 202 15 10 - 16
F: +49 (0)30 202 15 10 - 29

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Tibet: Drei neue Selbstverbrennungen in vier Tagen / Besorgniserregende Entwicklung in Nordosttibet / Zahl der Selbstverbrennungen in Tibet steigt auf 58 Erneut Selbstverbrennung in Nordosttibet / Vierter Fall in einer Woche
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 25.10.2012 - 12:04 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 749535
Anzahl Zeichen: 4101

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Menschenrechte



Diese Pressemitteilung wurde bisher 223 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Reporter ohne Grenzen:Überfälle auf Journalisten vor der Wahl in der Ukraine"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Reporter ohne Grenzen e.V. (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Nur noch ein Prozent der Weltbevölkerung lebt in Ländern mit guter Pressefreiheit: Reporter ohne Grenzen veröffentlicht Rangliste der Pressefreiheit 2026 ...
Fünf Kernpunkte der Rangliste der Pressefreiheit 2026: - Zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der Rangliste der Pressefreiheit fallen mehr als die Hälfte aller Länder und Territorien der Welt in die Kategorien "schwierig" oder "sehr ernst". - "Gut" ist

Drei Jahre unter den Taliban: Bundesregierung lässt afghanische Journalisten im Stich ...
Nur sechs afghanische Journalistinnen und Journalisten haben es bisher geschafft: Sie konnten mit Hilfe von Reporter ohne Grenzen (RSF) über das Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan (BAP) nach Deutschland kommen. Zum dritten Jahrestag der Machtübernahme der Taliban zieht die Organisation in einem Be

Reporter ohne Grenzen schockiertüber Gewalt gegen Journalisten in den USA ...
Reporter ohne Grenzen (RSF) ist entsetzt über die Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten in den USA, die nach dem Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd über Proteste gegen Polizeigewalt berichteten. Innerhalb weniger Tage kam es zu mindestens 68 Übergriffen auf Medienschaffende, da


Weitere Mitteilungen von Reporter ohne Grenzen e.V.


Tibet: Drei neue Selbstverbrennungen in vier Tagen / Besorgniserregende Entwicklung in Nordosttibet / Zahl der Selbstverbrennungen in Tibet steigt auf 58 ...
In Nordosttibet haben sich unabhängig voneinander innerhalb von nur vier Tagen drei Tibeter selbst angezündet. Alle drei Selbstverbrennungen ereigneten sich im Landkreis Sangchu (chin.: Xiahe) in der Tibetisch Autonomen Präfektur Kanlho (chin.: Gannan), die verwaltungsmäßig zur Provinz Gansu

Plan und Stargäste starten weltweite Kampagne für Mädchen / Kinderhilfswerk richtet am 1. Welt-Mädchentag Fokus auf benachteiligte Mädchen ...
"Mädchen sind stark, aber noch lange nicht gleichberechtigt", sagte Maike Röttger, Geschäftsführerin Plan Deutschland, am ersten Welt-Mädchentag in Berlin. "Weltweit besuchen beispielsweise 75 Millionen Mädchen keine Grundschule und nur die wenigsten eine weiterführende Schu

Nehbergs GOLDENES BUCH rettet Mädchen von Guinea-Bissau vor genitaler Verstümmelung / Islamische Gelehrte ächten jahrtausendealte Tradition (BILD) ...
Guinea-Bissau, ein kleines Land in Westafrika. 50 % der Frauen sind genital verstümmelt. Jetzt haben deren Töchter die reelle Chance, vor diesem jahrtausendealten Brauch bewahrt zu bleiben. Anlass ist das so genannte GOLDENE BUCH von Rüdiger und Annette Nehberg und ihrer Menschenrechtsorg

Ulrich Wickert Preis für Kinderrechte in Berlin verliehen / Herausragende Medienbeiträge auf ersten Welt-Mädchentag von Plan ausgezeichnet ...
Die Autorin Carolin Emcke wurde heute in Berlin mit dem ersten Ulrich Wickert Preis für Kinderrechte ausgezeichnet. Die Siegerin in der Sparte National überzeugte die hochkarätige Jury mit ihrer Reportage "Der lange Weg zur Gerechtigkeit". Die freie Journalistin Patience Chiyangwa e


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z