Neue OZ: Kommentar zu Berlusconi
ID: 750793
Silvio Berlusconi im Gefängnis? Das werden die Italiener wohl nie
erleben. Zwar ist ihr Ex-Regierungschef gestern zum ersten Mal
überhaupt zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Aber noch steht
die Bestätigung durch höhere Instanzen aus, und die Chancen für den
76-Jährigen, dass das Verfahren in der Berufung wegen Verjährung
platzt, stehen nicht schlecht.
Worum es in dem aktuellen Prozess letztlich geht, ist fast schon
unerheblich. Auch für Berlusconi selbst und seine Anwälte, die ihren
Auftraggeber durch ungezählte Verfahren geschleust haben. Wie
erfahrene Seeleute umschifften die Avvocati die Klippen der
italienischen Justiz, entkamen Untiefen und den Fangnetzen, die
letztlich unbedarfte Fischer der Konkurrenz-Parteien ausgeworfen
hatten.
Hohe Wellen wurden geglättet durch neue Gesetze, die der schlaue
Fuchs Berlusconi im Parlament problemlos durchzog. Meerengen nahm er
in solch atemberaubendem Tempo, dass Beobachtern schwindlig wurde.
Geldstrafen haben den Mailänder Juristen, der als Baulöwe und
Medienmogul nicht nur Milliarden Lire, sondern auch Milliarden Euro
scheffelte, noch nie interessiert. Sein guter Ruf offensichtlich auch
nicht, denn wie sonst sind seine Verfahren wegen der
"Bunga-Bunga"-Partys und ähnlich schmieriger Vorfälle zu erklären.
Eines kann die Italiener beruhigen: dass ihr Silvio nicht wieder
für ein politisches Amt antreten will - behauptet er jedenfalls . . .
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Datum: 26.10.2012 - 22:00 Uhr
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