Soziale Medien sichern Obamas Wiederwahl
ID: 762678
US-Generalkonsulats München analysiert Rolle der Medien im
US-Wahlkampf und dessen Implikationen für die deutsche Politik
Soziale Netzwerke im Internet haben die US-Präsidentschaftswahl
2012 mitentschieden. Barack Obamas Sieg über seinen republikanischen
Widersacher Mitt Romney sei auch ein Ergebnis seines effektiveren
Einsatzes sozialer Medien gewesen, stellte die internationale
Expertenrunde, die am Dienstag, 13. November, in der Bayerischen
Landeszentrale für neue Medien (BLM) "Die Rolle der Medien im US- und
deutschen Wahlkampf" diskutierte, übereinstimmend fest. Im weiteren
Verlauf ging die Kooperationsveranstaltung der BLM und des
US-Generalkonsulats München unter anderem der Frage nach, was
deutsche Parteien und Kandidaten aus dem amerikanischen Wahlkampf
lernen können.
"Soziale Medien sind fester Bestandteil der Politik, zumindest in
den Vereinigten Staaten", stellte Siegfried Schneider, Präsident der
BLM, in seinem Grußwort fest und fügte mit Blick auf deren
erfolgreichen Einsatz durch den alten und neuen US-Präsidenten
augenzwinkernd hinzu: "Barack Obama hat Justin Bieber abgelöst."
Dass der strategische Einsatz der neuen Medien für Politiker
mittlerweile sogar wahlentscheidend sein kann, betonte anschließend
William (Bill) E. Moeller, US-Generalkonsul in München, im Rahmen
seiner Begrüßung. Obamas Wiederwahl sei "darauf zurückzuführen, dass
er soziale Netzwerke effektiver genutzt hat als sein Konkurrent", so
Moeller. "Die gesellschaftliche und politische Wirkung dieser
Netzwerke ist nicht weniger als revolutionär."
Dieser Analyse des US-Präsidentschaftswahlkampfes schloss sich
auch Dr. Molly Selvin, Professorin an der Southwestern Law School in
Los Angeles, an. Die bekennende Demokratin Selvin betonte zudem die
Auswirkungen der veränderten Geräteausstattung auf den Wahlkampf: "Es
gibt viel mehr Smartphones und Tablet-PCs als noch 2008." Für die
Kandidaten bedeute dies einerseits gestiegene Anforderungen, da sie
so gut wie nie mehr unbeobachtet seien und Ausrutscher gnadenlos
öffentlich würden. Gleichzeitig aber böten sich ihnen völlig neue
Möglichkeiten mittels sogenanntem "Microtargeting" Wähler gezielt
anzusprechen und zu mobilisieren. Letztlich hätten die neuen
Technologien aber auch zu einer Verschärfung des Wahlkampfes geführt,
mahnte Selvin: "Extremismus und Übertreibung waren alltäglich, Opfer
waren die Fakten".
Matthias Kolb, US-Korrespondent für sueddeutsche.de, der der
Veranstaltung via Videotelefonie zugeschaltet wurde, sagte, "als
Politiker muss man eigentlich in den sozialen Netzwerken aktiv sein".
Romney und Obama hätten daher "beide mehrere Hundert Mitarbeiter
gehabt, die sich um ihre Social Media-Accounts gekümmert haben".
"Amerikanische Politik ist ein Milliarden-Dollar-Business", betonte
Kolb.
Inwieweit die Erkenntnisse aus dem jüngsten US-Wahlkampf auf
Deutschland übertragbar seien, stand auch im Mittelpunkt der
abschließenden Podiumsdiskussion zwischen Jörg Ihlau, Geschäftsführer
des Beratungsunternehmens Serviceplan, Tatjana Ohm, Chefmoderatorin
bei N-24, Prof.Dr. Carsten Reinemann vom Institut für
Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München und
Dr. Molly Selvin. "Heißt von Amerika lernen, siegen lernen", brachte
Moderator Klaus Kastan, langjähriger Washington-Korrespondent des
Bayerischen Rundfunks, die Frage auf den Punkt. In der Runde überwog
die Skepsis. Ohne Zweifel könne die deutsche Politik von der Nutzung
sozialer Medien durch ihre amerikanischen Kollegen noch viel lernen,
einer Übernahme amerikanischer Verhältnisse schiebe aber schon allein
das deutsche Datenschutzrecht einen effektiven Riegel vor.
Diese Informationen finden Sie auch im Internet unter: www.blm.de
Pressekontakt:
Dr. Wolfgang Flieger, Tel. (089) 63808-313, wolfgang.flieger@blm.de
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Datum: 14.11.2012 - 11:44 Uhr
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