Neue OZ: Kommentar zu Thomas Mann / Postkarten
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Von einem Fortschritt für die Forschung, gar von einem Glücksfall
sprechen die Experten angesichts der 81 Postkarten von Thomas an
Heinrich Mann. Doch was wollen sie Neues über einen Schriftsteller
erfahren, das man nicht längst weiß, vor allem auch aus seinem
eigenen alltagsdetailfreudigen Munde? Doch keine Sorge, die
unentwegten Mann-Forscher werden neue Erkenntnisse finden.
Und ihre Leser werden ihnen die Brosamen aus der Hand picken, weil
auch sie begierig mit der Lupe auf jede Lebensregung des
Literatur-Nobelpreisträgers schauen. Genügend vergrößert wird
bekanntlich noch das Kleinste zur Sensation. Etwa die leicht
abführende Wirkung von Joghurt, die Thomas seinem Bruder Heinrich auf
einem offenen Kärtchen empfiehlt, wenn das unserer Werbung keine
Steilvorlage bietet!
Bleibt bangen Herzens zu hoffen, dass der Großschriftsteller und
"Zauberer" künftig nicht als allzu spontan und normal in seinem
täglichen Umgangston geoutet wird. Sonst büßt er noch den Nimbus des
Distinguierten, Distanzierten und Ehrfurchteinflößenden ein, der
seine Verdauungsprobleme überhaupt erst so reizvoll machte.
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Datum: 23.11.2012 - 22:00 Uhr
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