Schwäbische Zeitung: Weit weg von allem - Kommentar
ID: 770032
Fluglärm jederzeit problemlos eine hitzige Diskussion anstoßen.
Besonders die Bewohner des badischen Klettgaus sind dann am Rande der
persönlichen Explosion. Seit Jahren wird ihnen die Schönheit ihrer
Heimat durch den wachsenden Züricher Flugverkehr verleidet. Aber
vielleicht wird doch noch alles gut? Heute dürfen Vertreter vom
Hochrhein und politische Köpfe aus Stuttgart bei
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer in Berlin vorsprechen. Das
Thema: Ist der deutsch-schweizerische Staatsvertrag zum Fluglärm
vernünftig? Nein, heißt es vom Hochrhein. Und dies zu Recht. Den
Eidgenossen ist es nämlich gelungen, Pferdefüße im Kleingedruckten zu
verstecken. Peinlich für die deutschen Unterhändler mit Ramsauer an
der Spitze.
Schlimmstenfalls könnte künftig die Fluglärm-Belastung im Klettgau
sogar zunehmen. Ramsauer verteidigt den Vertrag aber vehement. Sein
Argument: Es gebe jetzt mehr Stunden, in denen nicht geflogen werden
dürfe. Die Schweizer weisen jedoch süffisant daraufhin, dass in der
verbleibenden Zeit bedeutend mehr Jets unterwegs sein dürfen als
bisher. Ramsauer scheint dies aber kalt zu lassen. Vielleicht ist dem
aus Südost-Bayern stammenden christsozialen Bundespolitiker der
schmale, wirtschaftlich unbedeutende Grenzstreifen westlich des
Bodensees auch einfach egal: zu weit weg von allem, vom weiß-blauen
Freistaat - und von Berlin sowieso.
Immerhin hatte es selbst in Stuttgart Wochen gedauert, bis die
dortige Landesführung den zweifelhaften Fluglärm-Vertrag genauer
studierte. Zuerst hatte ihn Ministerpräsident Winfried Kretschmann
sogar hoch gelobt. Der Frieden am Hochrhein sei gesichert. Inzwischen
hat sich der Grüne um 180 Grad gedreht. Am liebsten würde er nun den
Vertrag im Altpapier verschwinden sehen. Immerhin ist eine späte
Erkenntnis besser als gar keine. Dennoch drängt sich einem bei dieser
Affäre der Eindruck auf: Wer am Rand des Landes lebt, hat es mit den
Mächtigen im Zentrum nicht immer leicht.
Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 07561-80 100
redaktion@schwaebische-zeitung.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 25.11.2012 - 21:10 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 770032
Anzahl Zeichen: 2378
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Leutkirch
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 276 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Schwäbische Zeitung: Weit weg von allem - Kommentar"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Schwäbische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Weitere Mitteilungen von Schwäbische Zeitung
Rheinische Post:Ägypten am Abgrund = Von Helmut Michelis ...
Der unerwartet heftige Widerstand gegen einen selbst ernannten Diktator mag ein winziger Hoffnungsschimmer für Ägyptens Zukunft sein. Doch zugleich verhärtet er die Fronten: Macht Präsident Mursi keine Zugeständnisse, droht sogar ein Bürgerkrieg - mit ungewissem Ausgang. Denn die tiefe Ent
Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Debatte über Zuschuss für Haushaltshilfen Geschenke erhalten die Freundschaft SIGRUN MÜLLER-GERBES ...
So viel Mütterpolitik war nie: 100 Euro soll die Mami kriegen, wenn sie hübsch zuhause bleibt für die lieben Kleinen. Wie bitte, das fördert überholte Rollenklischees? Kein Problem für die Frauenpolitikerinnen in der Union: Dann geben wir eben der Karriere-Mutter, die partout zurück will i
Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Was vom Parteitag übrig bleibt Die Piraten leben noch FLORIAN PFITZNER, BOCHUM ...
Es war nicht die Wende, die sich die Piraten erhofft hatten. Dafür war der Bundesparteitag zu konfus. Doch ob die Piraten am Ende fünf oder fünfzig Anträge verabschieden: Bochum war ein Lebenszeichen nach Wochen der Querelen. Zu Höchstzeiten versammelten sich am Wochenende 2.035 Piraten in
Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Rentenkonzept der SPD Aufatmen ALEXANDRA JACOBSON, BERLIN ...
Das Rentenkonzept der SPD war eine schwere Geburt. Zwischendurch schien es so, als habe sich SPD-Chef Sigmar Gabriel mit dem Vorhaben überhoben. Befriedet wurde der Konflikt erst als sich die NRW-SPD einschaltete und einen Kompromiss vorschlug: Die Frage des künftigen Rentenniveaus wird nun auf




