Neue OZ: Kommentar zu Auszeichnungen / NS-Zeit / Stolpersteine / Gunter Demnig
ID: 770040
Mit dem Stolperstein für Gerhard Richters Tante Marianne
Schönfelder und der Ehrung des ästhetischen Konzepts dahinter
überschneiden sich zwei gegenläufige Formen der Erinnerungskunst:
Gunter Demnig geht in die Breite und versucht, den Namen jedes
einzelnen NS-Opfers in den deutschen Alltag zurückzuholen. Richter
blickt auf seinen Bildern in die Tiefe der persönlichen Biografie -
und entdeckt das ganze Entsetzen der Vergangenheit in der eigenen
Familiengeschichte. Das Mädchen, auf dessen Schoß er selbst als
Säugling lag, wurde im Euthanasie-Programm ermordet; und einer der
Haupttäter war Richters späterer Schwiegervater.
Heute berühren sich beide Werke in einer Nachricht - und machen
damit wie in einem Brennglas die Nachwirkung der historischen
Verbrechen sichtbar: Die Schuld wohnt in Deutschland an jeder
Straßenecke. Und sie durchdringt jeden Einzelnen im Lande - auch wenn
uns das im Alltag nicht immer bewusst sein mag.
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Datum: 25.11.2012 - 22:00 Uhr
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