Weitere Panne im Fall NSU: Detaillierte Hinweise auf rechtextreme Terroristen blieben 2006 unbeachtet
ID: 775065
Hinweise auf rechtextreme Terroristen blieben 2006 unbeachtet
Düsseldorf, 2.12.2012 - Die Polizei hatte bereits 2006 konkrete
Hinweise, dass hinter der Mordserie der NSU an neun Kleinunternehmern
mit Migrationshintergrund rechtsextreme Terroristen stecken könnten.
Das geht aus internen Dokumenten hervor, die dem WDR Politikmagazin
Westpol vorliegen. Sogenannte Profiler des bayerischen und des
nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes hatten im Mai 2006 darauf
hingewiesen, dass die Täter Rechtsextreme sein könnten, die sich aber
möglicherweise Ende der neunziger Jahre aus dieser Szene
zurückgezogen hätten. Die Morde wurden von den Profilern als
"Kommandoaktionen" eingestuft. Die Motivation sei Hass auf Ausländer,
die Täter würden mit der Vorstellung einer eigenen "Mission" handeln.
Dokumentiert wird darüber hinaus eine "ausgeprägte Schießfertigkeit".
Eine "professionelle Ausbildung", etwa beim Militär, sei
wahrscheinlich.
Die Erkenntnisse der Ermittler von 2006 passen verblüffend gut zu
den Biographien von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Ihr Wissen
präsentierten die Profiler damals der Ermittlungsgruppe "Bosporus" in
Nürnberg, die die Suche nach den Verantwortlichen für die Mordserie
koordinierte. Einen Monat vor dem Bericht waren der Kioskbesitzer
Mehmet Kubasik in Dortmund (4.4.2006) und der Internetcafé-Betreiber
Halit Yozgat in Kassel (6.4.2006) durch den NSU ermordet worden.
Die Profiler aus Bayern und NRW wiesen zudem auf mehrere
Parallelen zwischen der Mordserie und dem Nagelbombenanschlag in der
Kölner Keupstraße hin, bei dem im Juni 2004 22 Menschen verletzt
wurden. Wie Westpol letzte Woche berichtet hatte, waren schon kurz
nach diesem Anschlag Hinweise auf rechtsextreme Täter aufgetaucht.
Dennoch wurde die tat in der Keupstraße, von der sogar ein Video der
Täter vorlag, 2006 nicht in die Ermittlungen der Bosporus-Fahnder
aufgenommen. Die damalige Empfehlung der Profiler, einen möglichen
Zusammenhang zwischen dem Bombenattentat und der Mordserie genauer
zu untersuchen, wurde nicht verfolgt, obwohl der Leiter der
Ermittlungsgruppe Bosporus sogar den Auftrag dazu gab. Doch seine
Vorgesetzten, Vertreter verschiedener Landeskriminalämter und des
Bundeskriminalamtes, hielten weiterhin die These "rechter
Terrorismus" für unwahrscheinlich.
Mit Quellenangabe Westpol (Sonntag, 2.12.2012, 19:30 Uhr) ab
sofort zur Veröffentlichung frei.
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Datum: 02.12.2012 - 15:55 Uhr
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