Neue OZ: Kommentar zu Mo Yan/Nobelpreis
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Mo Yan hat den Nobelpreis für seine literarischen Werke erhalten,
nicht für politische Statements oder die Unterschrift unter einen
Freiheitsappell. Dennoch verstört der chinesische Autor auch jene
Menschen tief, die Fragen der literarischen Qualität und der
politischen Haltung nicht voreilig vermischt sehen wollen. Denn Mo
Yan schert sich erkennbar wenig um das Recht eines jeden, sich frei
äußern zu dürfen - auch und gerade dann, wenn derjenige nicht
prominent ist.
Die Stockholmer Jury hat einen Autor ausgezeichnet, der Kunst und
Freiheit voneinander entkoppelt. Mo Yan vollzieht damit in fataler
Kongruenz jene Zumutung nach, mit der China die Welt konfrontiert:
Das Regime betreibt wirtschaftlichen Fortschritt, bremst aber bei den
Bürgerrechten. Materieller Wohlstand unter den Bedingungen der
Unfreiheit - kann das eine lebenswerte Zukunft sein?
Wer jetzt über Mo Yan und sein Statement streitet, der diskutiert
auch das große Ganze der Verhältnisse Chinas mit. Literatur und
Politik lassen sich in diesem Fall nicht auseinanderhalten. Das
Stockholmer Nobelpreisvotum provoziert weiter. Und das ist nur gut
so.
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Datum: 07.12.2012 - 22:00 Uhr
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