Herr Lauterbach: Nur Sachlichkeit hilft!
ID: 787147
Lauterbach erklärt der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie:
In Zusammenhang mit den derzeit diskutierten Lieferengpässen wird der
Eindruck erzeugt, es handele sich um durch die Industrie absichtlich
herbeigeführte Probleme.
Lieferengpässen können vielfältige Ursachen zugrunde liegen:
- Probleme eines Zulieferers mit der Lieferfähigkeit eines Wirk-
oder Hilfsstoffs,
- Ausfall einer Produktionsanlage oder Hard- und/oder Software
durch Umrüstung oder Um-/Ausbau, durch Anpassung an geänderte
behördliche Anforderungen, wegen Sanierungsmaßnahmen oder wegen
einer Katastrophe (z. B. Feuer, Erdbeben, Flut),
- Probleme beim Transfer einer Herstellung zu einem anderen
Betrieb,
- Sperrung von Produktionschargen wegen Mängeln oder Rückruf,
- unerwarteter Anstieg des Bedarfs/unerwartet hohe Nachfrage,
- zunehmender Kostendruck im Arzneimittelbereich, der die
Hersteller zur Nutzung aller Möglichkeiten der
Effizienzsteigerung bei der Herstellung von Wirk- und
Hilfsstoffen sowie von Arzneimitteln zwingt. Dieser Kostendruck
führt auch zu einer Konzentration auf wenige Hersteller und zur
Produktion an preisgünstigen Standorten vielfach in Drittstaaten
außerhalb der EU.
Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sind in
Deutschland inklusive aller Wirkstoffe, Darreichungsformen und
Wirkstärken rund 91.500 verschiedene Arzneimittelpackungen
verkehrsfähig. Davon ist nur ein geringer Bruchteil überhaupt von
Lieferengpässen betroffen. Die meisten Lieferengpässe sind
kurzfristig und durch verfügbare alternative Arzneimittel bleibt die
Versorgung sichergestellt. In den wenigen Fällen, in denen
Lieferengpässe problematisch sind, bedarf es sinnvoller Lösungen.
Vorschläge, die Industrie zu einer Zwangsbevorratung mit knappen
Wirkstoffen zu verpflichten, verkennen dagegen die Wirklichkeit. Wenn
ein Wirkstoff am Weltmarkt nicht verfügbar ist, kann kein Unternehmen
der Welt einen Zwangsvorrat anlegen. Auch die Idee, spezielle
Zwangsrabatte auf Arzneimittel der Hersteller zu erheben, die
Lieferschwierigkeiten haben, ist ebenfalls widersinnig. Wenn
beispielsweise durch Naturkatastrophen oder einen nicht absehbaren
Anstieg des Bedarfes Lieferengpässe entstehen, kann kein Unternehmen
dafür verantwortlich gemacht werden. Den einzigen Effekt, den
derartige Maßnahmen hätten, wäre den wirtschaftlichen Druck auf diese
Arzneimittel noch weiter zu erhöhen. Die pharmazeutische Industrie
fordert einen sachlichen Dialog - Unsachliche Forderungen helfen
niemandem.
Ihr Ansprechpartner:
Joachim Odenbach, Tel. 030/27909-131, jodenbach@bpi.de
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Datum: 20.12.2012 - 13:43 Uhr
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