Schwäbische Zeitung: Die mediale Geldmaschine - Leitartikel

Schwäbische Zeitung: Die mediale Geldmaschine - Leitartikel

ID: 788995
(ots) - Im neuen Jahr wird zwar nicht alles, aber doch
vieles anders. Unter anderem heißt die "Gebühreneinzugszentrale" dann
"Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio", also BAZD statt
GEZ. Das ist Ihnen so egal, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt?
Da es sich hier aber um einen Sack voll Geld handelt, ist es nicht
egal. Denn künftig zahlt man Beiträge nicht mehr pro Gerät, sondern
pro Haushalt - ganz egal ob da ein Radio oder Fernseher oder gar
nichts drinsteht. Das erbost viele Nur-Radiohörer - auch die gibt es
noch und es sind nicht nur die Alten. Diese zahlen künftig 215,76
Euro pro Jahr statt wie bisher 69. Es erbost auch viele Mitbürger,
die sich bei der Wahl ihrer Medien umstandslos entmündigt sehen. Ihre
Versicherung können sie kündigen, aus der Kirche können sie
austreten, aus dem BAZD nicht. Nicht die Menschen haben die Medien
mehr im Griff, die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben die
Menschen im Griff.

Der Grund der Änderung ist klar. Die Anstalten, traditionell knapp
bei Kasse, verlieren durch die Mediengewohnheiten der Jugend
zunehmend Kunden. In Zeiten kostenloser Informations- und
Unterhaltungsangebote im Internet bedienen sich immer weniger junge
Menschen bei den Öffentlich-Rechtlichen. Dass das, was ARD und ZDF
mit dem Gebührengeld machen, oft nur ein Abklatsch des Angebots der
Privatsender ist, macht die Argumentation nicht schlüssiger. Die
kostspielige Installation ständig neuer Spartenkanäle ebenso wenig.
Und dass die Staatsanstalten angestrengt darüber schweigen, was sie
sich ihre Stars kosten lassen - bei Gottschalks Vorabend-Flop munkelt
man von sechs Millionen -, steigert die Beliebtheit der Neuerung auch
nicht. Die Debatte über den generellen Zwangsbeitrag könnte dann
fruchtbar sein, wenn nicht nur darüber diskutiert wird, wie viel
garantiertes Geld hereinkommt, sondern auch darüber, wozu dieses Geld


verwendet wird. Erfüllen Gottschalk, Jauch und die
Profifußball-Millionäre einen Bildungsauftrag? Ein "Nein" dazu könnte
ein "Ja" zur Neuerung leichter machen.



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Datum: 27.12.2012 - 21:15 Uhr
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