Reporter ohne Grenzen fordert schnelle Aufklärung von Datenzerstörung bei deutschem China-Korrespondent
ID: 791292
Einbruch beim China-Korrespondenten des Nachrichtenmagazins Der
Spiegel, Bernhard Zand. Während Recherchen in der Provinz Guizhou
drangen Unbekannte in die Hotelzimmer Zands und seiner chinesischen
Mitarbeiterin Wu Dandan ein. Dort zerstörten sie Zands
Tablet-Computer und löschten Fotos von einer Speicherkarte sowie
Daten von den Laptops der beiden Journalisten. Zands Mobiltelefon
wurde unter Wasser gesetzt.
Der langjährige Spiegel-Redakteur und seine Mitarbeiterin
recherchierten in Guizhou über das Schicksal von fünf obdachlosen
Kindern, die Mitte November tot in einem Müllcontainer gefunden
wurden. Die Jungen hatten Zuflucht vor der Kälte gesucht und starben
an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung, weil sie in dem Container ein
Feuer entzündeten. Der international beachtete Fall löste heftige
Kritik an den Behörden aus, weil sich niemand um das Schicksal der
Kinder gekümmert hatte, obwohl diese wochenlang nicht zur Schule
gekommen waren. Mehrere Behördenmitarbeiter wurden entlassen.
Zand und Dandan gelang es in Guizhou, Kontakt mit dem Journalisten
Li Yuanlong aufzunehmen, der als erster über den Fall berichtet hatte
und sich trotz massiven Drucks der Behörden weigerte, seine Berichte
aus dem Internet zu entfernen. (Weiterlesen: http://bit.ly/Uf2nbz)
Bei ihren Recherchen wurden die Spiegel-Journalisten nach eigenen
Angaben tagelang durch verschiedene Sicherheitsdienste behindert.
Ihre Bewegungen seien teils gefilmt, ihre Interviewpartner
eingeschüchtert worden. Nach dem Vorfall habe die Hotelleitung ihnen
dringend geraten, die Provinz zu verlassen und auf eine Anzeige zu
verzichten, berichtete Zand. Aufnahmen der Überwachungskameras im
Hotel lägen nach Darstellung der Polizei für den fraglichen Zeitraum
nicht vor.
"Die chinesischen Behörden versuchen systematisch, durch Zensur
und Einschüchterung die Berichterstattung über kritikwürdige Zustände
im Land zu verhindern", kritisierte ROG-Geschäftsführer Christian
Mihr. Seit mehreren Jahren würden die Arbeitsbedingungen für
Journalisten immer schlechter. "Reporter ohne Grenzen fordert von den
chinesischen Behörden eine schnelle Aufklärung des Einbruchs bei den
Spiegel-Journalisten."
Reporter ohne Grenzen zählt den chinesischen Präsidenten Hu Jintao
zu den weltweit größten Feinden der Pressefreiheit. Auf der
ROG-Rangliste der Pressefreiheit steht China auf Platz 174 von 179 -
schlimmer ist die Situation nur noch in Iran und Syrien sowie bei den
drei langjährigen Schlusslichtern Turkmenistan, Nordkorea und
Eritrea.
Hintergrundinformationen zur Lage der Presse in China finden Sie
unter http://www.reporter-ohne-grenzen.de/china-spezial/ ,
Informationen in englischer Sprache über aktuelle Fälle von
Behinderungen der Pressefreiheit unter http://en.rsf.org/china.html
Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Ulrike Gruska / Christoph Dreyer
Pressearbeit
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T: +49 (0)30 202 15 10-16 und -14
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Datum: 06.01.2013 - 08:00 Uhr
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