Badische Neueste Nachrichten: Lädierte Landes-SPD

Badische Neueste Nachrichten: Lädierte Landes-SPD

ID: 792060
(ots) - Von einem überraschenden Rücktritt kann man nun
wirklich nicht sprechen: Gabriele Warminski-Leitheußer war seit
Monaten angezählt, das Ende ihrer politischen Karriere nurmehr eine
Frage der Zeit. Die grün-rote Landesregierung als Ganzes hat nach
ihrem Rauswurf erste deutliche Kratzer im Lack. Als Kultusministerin
ist die Sozialdemokratin und frühere Bildungsbürgermeisterin von
Mannheim in erster Linie an sich selbst gescheitert. Zu viele
Reformvorhaben hat sie sich zeitgleich zugetraut:
Gemeinschaftsschule, neunjähriges Gymnasium, Ganztagsschulprogramm,
Abbau des Unterrichtsdefizits, Aufstockung der Ressourcen für
Realschulen. Selbst ein politischer Großmeister mit Charisma hätte
dieses Pensum kaum unfallfrei durch die Instanzen jonglieren können.
Dass sich die "GWL" genannte Mannheimerin auch noch erhebliche
persönliche Blößen gab, brachte das Fass am Schluss zum Überlaufen:
Sie ließ mit ungerührtem Lächeln Termine platzen, sie erging sich in
rhetorischen Allgemeinplätzen, sie scheiterte an den
Beharrungskräften des eigenen Ministeriums und brachte bar jeder
diplomatischen Sensibilität die mächtige Lehrergewerkschaft GEW gegen
sich auf. Vor allem aber: Mit der SPD-Fraktion fremdelte die
Quereinsteigerin von Anfang an. Als die Flammen längst aus dem
Ministerium schlugen, ließ "GWL" ihren Sprecher über die Klinge
springen. Das Feuer unterm Dach deutete die Ministerin auf ganz
spezielle Weise um: sie selbst brenne doch für die Bildungspolitik.
SPD-Chef Nils Schmid hatte keine Alternative zur Roten Karte: Wie ein
Mühlstein zog "GWL" den ohnehin schwachen Juniorpartner in die Tiefe.
Mit dem Rücktritt der Ministerin ist nun auch Schmid lädiert. Er
hatte die blonde Bürgermeisterin entdeckt, er dachte, mit
unverbrauchten Köpfen zu punkten. Vermutlich wäre der frühere
Bildungsexperte der Fraktion die bessere Wahl gewesen. Rechtzeitig


hat Frank Mentrup das sinkende Schiff verlassen.



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Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
Telefon: +49 (0721) 789-0
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Datum: 07.01.2013 - 23:13 Uhr
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