Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTARE
Camerons Ausstiegsdrohung
Gute Reise
BERNHARD HÄNEL
ID: 801710
sogar im Argen liegt, ist eine Binse. Die Regulierungswut der
Brüsseler Behörden etwa läuft wie geölt weiter. Unsägliches Beispiel
ist der Bann gegen die Edinson'sche Glühlampe und deren Ersetzung
durch ein nicht ganz unschädliches Leuchtmittel mit weniger
Energieverbrauch. Die meisten Regulierungen aber waren nützlich für
die Wirtschaft und den Binnenmarkt. Festlegungen über Form und Höhe
von Sitzen in Mähdreschern oder den Wasserdurchlauf bei einer
Toilettenspülung nützen, so absurd es klingen mag, der Wirtschaft und
sichern sogar Arbeitsplätze in der Region OWL. Denn Standards machen
Produkte preiswerter und wettbewerbsfähig. Darüber lässt sich
vortrefflich spotten, was die Briten bekanntlich formidabel
beherrschen. Doch ein Premier sollte darüberstehen und einen Blick
für das Große und Ganze haben. Denn die Europäische Union ist mehr
als vergemeinschaftetes Treckerfahren oder die geruchlose Entsorgung
armer Würstchen. Die EU ist zuvorderst ein Friedenswerk. Ihre
Strahlkraft hat mit dafür gesorgt, dass die Diktaturen in Europas
Osten reihenweise purzelten. Selbst in der Eurokrise zeigt sich der
Wert einer Gemeinschaft, die auf Prinzipien der Solidarität beruht.
Letzteres sehen Beobachter von außen - etwa China - deutlicher als
Briten und auch Deutsche. Cameron sieht es jedenfalls nicht. Er weckt
alte Vorurteile gegen die Briten als Volk der Krämer. Das sind sie
zwar längst nicht mehr, weil dort immer weniger produziert, aber umso
mehr gedealt und gezockt wird. Doch selbst das könnten sie ohne
Europa bei weitem nicht so erfolgreich. Europa braucht Großbritannien
weit weniger als die Briten Europa. Reisende aber soll man nicht
aufhalten. Wer bei einer Reise nur seinen eigenen Vorteil sucht,
reist besser allein. Das nennt man eine wunderbare Isolation.
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Datum: 23.01.2013 - 18:59 Uhr
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