Südwest Presse: KOMMENTAR · NETZENTGELTE
ID: 829171
Strom muss nicht nur im Kraftwerk oder vom Windrad erzeugt,
sondern auch zum Verbraucher transportiert werden. Dafür ist das
Netzentgelt fällig. Allerdings nicht bei jedem: Ausgerechnet die
größten Verbraucher zahlen gar nichts. Das gehört zu den vielen
erstaunlichen Blüten des Strommarkts. Otto Normalverbraucher muss
nicht nur für erneuerbare Energien zahlen, sondern noch für einiges
mehr. Doch Vorsicht vor allzu schnellen Urteilen. Es klingt gut, wenn
ein Gericht jetzt bremst und die EU-Kommission dazu ein Verfahren
wegen des Verdachts auf eine unerlaubte Beihilfe einleitet. Die
Grundsatzfrage aber lautet: Wollen wir stromintensive Unternehmen
noch in Deutschland haben, oder sollen sie nach Frankreich
auswandern, wo der Strom dank Kernkraft viel billiger ist? Da sind
die Warnungen der Wirtschaft ernst zu nehmen: Wichtig sind nicht nur
die einzelnen Betriebe hierzulande, sondern auch die
Wertschöpfungsketten zwischen ihnen. Zerbrechen sie, dann sind ganze
Branchen gefährdet und damit eine Menge Arbeitsplätze. Daher sollte
jeder Interesse haben, auch große Stromverbraucher im Land zu halten.
Eigentlich wäre es am gerechtesten, die nötigen Hilfen aus Steuern zu
bezahlen, weil das Geringverdiener am wenigsten belastet. Aber genau
das wäre sicher eine Beihilfe und damit ein Stein des Anstoßes für
die EU-Kommission. Es gehört auch zur Energiewende, solche
Zusammenhänge stärker bewusst zu machen.
Pressekontakt:
Südwest Presse
Lothar Tolks
Telefon: 0731/156218
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Datum: 06.03.2013 - 18:56 Uhr
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Politik & Gesellschaft
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