Neue OZ: Kommentar zu Kirche/Kunst/Debatten
ID: 846321
Auf den Kulturseiten häufen sich seit einiger Zeit Debatten um das
Religiöse: Mal sind Satire-Hefte der Anlass, die wahlweise mit
Mohammed oder dem Papst Spott treiben. Mal ist es der
Büchner-Preisträger Martin Mosebach, der Blasphemie schärfer ahnden
will und an Islamisten die Verbindlichkeit im Glauben lobt.
Die Debatte beschränkt sich dabei leider oft auf Provokation und
Gegenprovokation; immer wieder schaukeln die Kontrahenten sich
gegenseitig hoch. Das Resultat: Empörung statt Verständigung.
In dieser aufgeheizten Stimmung ist es umso wichtiger, genauer
hinzusehen. Nicht alles, was auf den ersten Blick schockierend wirkt,
ist als Angriff gemeint: Ulrich Seidls Filme mögen an der Oberfläche
Anstoß erregen - tatsächlich betreiben sie eine konzentrierte
Auseinandersetzung mit christlichen Themen.
Auf andere Weise gilt das auch für das Projekt eines Kinofilms zum
Missbrauchsskandal. In einer Umbruchphase des religiösen Empfindens
können die Kirchen solche Werke als Gesprächsangebot nutzen. Ein
Vorzug, den Klischeebilder im Stile des "Da Vinci Codes" nicht
mitbringen.
Daniel Benedict
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Neue Osnabrücker Zeitung
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Datum: 03.04.2013 - 22:00 Uhr
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Kategorie:
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