Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Neuer Pferdefleisch-Skandal betrifft auch Deutschland
Hinterher ist man schlauer
JESSICA KLEINEHELFTEWES
ID: 851557
mehrere Wochen ins Land gegangen. Ruhig ist es nach dem großen Sturm
der Empörung geworden. Nach groß angelegten Tests, die selbst in den
Hackbällchen von Ikea Fleisch vom Ross nachgewiesen hatten, wiegte
sich so mancher Fleisch-Esser bereits wieder in Sicherheit. Eine
trügerische Sicherheit, wie sich jetzt herausstellt: Die
niederländischen Behörden rufen rund 50.000 Tonnen Fleisch vom Markt
zurück. Ein Betrieb wird verdächtigt, über einen Zeitraum von mehr
als zwei Jahren Rindfleisch mit Pferdefleisch vermengt und falsch
deklariert zu haben. Der neue Skandal zeigt zum einen, wie sehr die
Erzeugung von Lebensmitteln eine riesige, weltweit verflochtene
Industriebranche geworden ist, bei der es um sehr viel Geld geht. Zum
anderen macht er auf gravierende Art und Weise deutlich, wie hilflos
die Gesetzgebung bei der Eindämmung dieser Skandale ist. Schon der
Letzte hat gezeigt: Ein Frühwarnsystem, das Auffälligkeiten
vorbeugend erfasst, um dann mögliche Gefahren oder Betrügereien
aufzuspüren, ist nicht in Sicht. Seitens der Politik wird zu viel
geredet und zu wenig gehandelt. Während in Deutschland bei jedem
Lebensmittelskandal über Zuständigkeiten debattiert wird, hat sich
die EU-Kommission auf eine neue Herangehensweise verständigt. Sie hat
angekündigt, Vorschläge für eine Verschärfung der
Kennzeichnungspflicht bei Lebensmitteln vorzulegen - im Herbst. Da
stellt sich die Frage, warum die Ausarbeitung von Vorschlägen derart
lange dauert. Vielleicht liegt es daran, dass die Politiker vorerst
damit beschäftigt sind, sich dafür auf die Schultern klopfen, dass
zumindest ihr Rückverfolgungssystem bestens funktioniert. Das
verhindert zwar nicht, dass Pferdefleisch verarbeitet und
ausgeliefert wird, aber immerhin erfahren die Konsumenten hinterher,
was sie auf dem Teller hatten.
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Datum: 11.04.2013 - 20:15 Uhr
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