Kölner Stadt-Anzeiger: Türkischer Schriftsteller Akhandi muss wieder vor Gericht - Freispruch aufgehoben - Anklage werden Raubüberfalls
ID: 855115
Gericht verantworten. Der türkischstämmige Kölner Schriftsteller war
am 12. Oktober 2011 in der Türkei vom Vorwurf, an einem Raubüberfall
mit Raubmord beteiligt gewesen zu sein, freigesprochen worden. Der
Vorwurf hatte sich als haltlos erwiesen, die von der
Staatsanwaltschaft benannten Zeugen - auch Verwandte der Opfer -
hatten Akhanli damals entlastet. Deutsche Politiker und
Kulturschaffende hatten sich seinerzeit vehement für die Freilassung
Akhanlis ausgesprochen. Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger"
(Donnerstagausgabe) berichtet, hat ein Revisionsgericht den
Freispruch nun aufgehoben. Womöglich im Sommer solle erneut Anklage
erhoben werden, vermutet Akhanlis Anwältin. Dogan Akhanli selbst war
bis vor einigen Tagen in der Türkei und hielt in Istanbul eine
Lesung. Freunde hatten ihn davor gewarnt, öffentlich zu lesen - die
Gefahr, erneut verhaftet zu werden, sei zu groß. Akhanli sagte dem
"Kölner Stadt-Anzeiger", er sei schockiert über die erneute Anklage.
"Ich fühle mich so unsicher wie bei der ersten Reise nach dem
Freispruch, als ich nicht sicher sein konnte, nicht wieder
festgenommen zu werden." Albrecht Kieser vom Kölner Verein Recherche
international sagte, "die an Rechtsbeugung nicht arme türkische
Justiz ist damit um einen Skandal reicher". Der Fall erinnere an
jenen der Schriftstellerin Pinar Selek, deren Freisprüche mehrfach
von einem türkischen Revisionsgericht wieder aufgehoben worden sind.
Selek war als Bombenlegerin angeklagt und zweieinhalb Jahre
inhaftiert worden. Im Januar 2013 hatte ein Istanbuler Gericht sie zu
lebenslanger Haft verurteilt. Selek lebt im Exil - sie war bei der
Gerichtsverhandlung nicht vor Ort. Auch Akhanli droht bei einem
Schuldspruch lebenslange Haft.
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Datum: 17.04.2013 - 15:26 Uhr
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