Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Telekom-Plan für Datenlimit
ID: 865771
Milliardenmarkt Internet den billigen Jakob zu geben. Der
Ex-Monopolist und deutsche Marktführer bei Breitbandanschlüssen sieht
sich als Spieler zweiter Klasse. Während die Telekom federführend den
Netzausbau für flächendeckend schnelle Zugänge mit
Milliardeninvestitionen schultert, sind es die Dienste- und
Inhalteanbieter, die richtig Kasse machen. Konzernchef René Obermann
ist es seit langem ein Dorn im Auge, dass Konzerne wie Google mit
seinem Videoportal Youtube, der Internethandelsriese Amazon oder das
soziale Netzwerk Facebook die Infrastruktur der Telekom kostenfrei
für ihre Geschäftsmodelle nutzen, während sich der Netzbetreiber ob
der stetig steigenden Datenmengen zu immer neuen Investitionen
gezwungen sieht. Eine Maut für die Datenautobahn, wie sie vom
Schwerverkehr auf den asphaltierten Fernstraßen der Republik verlangt
wird, ist Obermanns Traum. Eine Position, die für ein
privatwirtschaftliches Unternehmen im freien Wettbewerb absolut
nachvollziehbar ist. Erst recht im Fall eines börsennotierten
Konzerns, für den Gewinnmaximierung und das Erschließen von
Einnahmequellen oberste Gebote sind. Stattdessen plagen die Telekom
Verbindlichkeiten von rund 60 Milliarden Euro. Zur Wahrheit gehört
aber auch, dass die Telekom natürlich Geld mit den
Breitbandanschlüssen verdient. Und dass der Konzern eine besondere
Rolle und Verantwortung hat, nicht zuletzt weil der Staat noch 32
Prozent der Anteile hält. Ein schneller Breitbandanschluss gilt
längst als wichtiger Standort- und Wettbewerbsfaktor. Der
Internetzugang ist jüngst höchstrichterlich zu einem Grundrecht in
Deutschland erklärt worden. Jede Einschränkung ist deshalb ein
heikler bis bedrohlicher Eingriff. Die Politik ist deshalb auch
gefordert - und zwar zu weit mehr als populistischen Äußerungen. Der
Netzausbau muss vorankommen, sich für die Unternehmen lohnen, darf
aber nicht für die Kunden zur Internetbremse werden. Die Telekom
erhöht jetzt den Druck. Der Endkunde ist der erste Adressat, weil
sich die Großen unbeeindruckt zeigen. Zahlen nicht Google, Amazon &
Co., sollen die Kosten bei den Verbrauchern abgeladen werden. Ganz
nach dem Motto: Wer viel Datenverkehr verursacht, zahlt auch mehr.
Das klingt nach einer logischen Lösung. In der Tat aber droht eine
Zwei-Klassen-Gesellschaft im Internet, wenn die Telekom ernst macht.
Die bevorzugte Behandlung von Diensten zahlender Kooperationspartner
widerspricht den Regeln eines freien Internets. Auf der anderen Seite
geht die Telekom ein hohes Risiko ein. Denn im freien Wettbewerb der
Netzanbieter drohen ihr nach der Tarifumstellung schon jetzt
Kundenverluste, auch wenn die Tempobremse frühestens 2016 greift. Die
meisten Kontrahenten haben ihren Verzicht auf eine Datenobergrenze
erklärt - zumindest bis auf weiteres. Sie dürften jetzt Kunden
gewinnen und abwarten wollen, wie sich das Telekom-Experiment
entwickelt.
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Andreas Kolesch
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Datum: 03.05.2013 - 20:10 Uhr
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