Jahrhundertealte maritime Sakralkultur
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Jahrhundertealte maritime Sakralkultur
St. Clemens in Nebel-Amrum feiert die Restaurierung ihrer historischen Grabsteine
Mit einem Einweihungsfest feiert die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Clemens in Nebel-Amrum am Sonntag, den 12. Mai 2013 ab 12.30 Uhr die Fertigstellung ihrer Außenanlage. Im Anschluss an den Gottesdienst in der Kirche begrüßt Schirmherr Professor Dr. Thomas Steensen die Gäste und führt in das Aufstellungskonzept ein. An der Aufstellung und Restaurierung der historischen Grabdenkmäler auf dem erweiterten Kirchhof beteiligte sich im vergangenen Jahr mit 40.000 Euro auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD), die bei der Feier durch ihren Ortskurator Husum/Nordfriesland, Dr. Günter Klatt, vertreten ist.
Die Küstenlinie Nordfrieslands verändert sich auf Grund der Höhe des Meeresspiegels, der Gezeiten und der Sturmfluten fortwährend und immerzu. In den vergangenen Jahrhunderten wurden Teile des Festlandes abgetrennt, Inseln teilweise oder im Ganzen abgetragen und neue Sandbänke erschaffen. Von den heutigen Siedlungen können nur wenige auf eine Jahrhunderte währende Geschichte zurückschauen, zu ihnen gehört die Ortschaft Nebel.
Im Wesentlichen ist die heutige Küstenlinie das Ergebnis der Sturmflut von 1634, die mehrere Wochen andauerte und erhebliche Landesteile anhaltend unbewohnbar machte. Die Bevölkerung zog sich auf höher gelegene Gebiete zurück und rettete dabei zugleich ihr wertvolles Kunstgut. In Mitleidenschaft gezogen wurden auch die die Kirchen umgebenden Friedhöfe: Im aufgeweichten Boden verloren die Grabsteine ihren Stand, fielen um und wurden verschwemmt. Daher kennzeichnen viele historische Grabsteine nicht mehr das ursprüngliche Grab. In Nebel sammelte man zahlreiche Grabsteine am Erdwall der Einfriedung. Man bewahrte sie aus Respekt auf, als Zeugnisse "maritimer Grabkultur", und aufgrund ihrer recht aufwendigen Bearbeitung. Die reinen Daten auf den Steinen ergänzt oft plastischer Bildschmuck von hoher künstlerischer Qualität und einer tradierten Ikonologie. Wegen ihres hohen Informationsgehalts heißen sie daher auch "redende Steine".
Der größte Teil der Grabsteine wurde von insularen Steinmetzen wie dem Amrumer Jan Peters aus "Obernkirchner Sandstein", den man aus dem Weser-Wiehengebirge holte, geschlagen. Auf Grund der sehr aufwendigen Inschriften, deren sichere Komposition und beeindruckende Genauigkeit und Detailtreue bei den bildlichen Darstellungen wird eine autodidaktische Ausbildung ausgeschlossen, doch fehlen hierzu weitergehende Untersuchungen. Bereits in den 1920er Jahren wurden die Grabsteine erfasst, dokumentiert und veröffentlicht.
Damals galten von den 152 zwischen 1678 und 1858 geschaffenen Grabsteinen insbesondere 80 als "wertvoll in künstlerischer oder geschichtlicher Hinsicht", heute hält man das gesamte Ensemble für schützenswert. Einige Steine werden nun im Eingangsbereich des Friedhofs um einen Gedenkstein herum präsentiert, bei Führungen wird die Geschichte der Steine und der Verstorbenen erläutert.
Die Restaurierung der Grabsteine erfolgte nach Voruntersuchungen, für die Gestaltung der Neupräsentation schrieb die Kirchengemeinde sogar einen eigenen Wettbewerb aus. Die "redende Steine" sollen so auch in Zukunft interessierten Besuchern die Geschichten von Nebels Einwohnern erzählen.
St. Clemens ist eines von über 130 Förderprojekten, die die private Denkmalstiftung dank Spenden und Mitteln der Lotterie GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, bisher allein in Schleswig-Holstein fördern konnte.
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Datum: 08.05.2013 - 10:21 Uhr
Sprache: Deutsch
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