Experten diskutierenüber Skandale in der Politik und die Rolle der Medien
ID: 868436
Hoeneß - Skandale prägen hierzulande fortwährend die
politisch-mediale Agenda. Inwieweit die Medien die Politik mit ihrer
Berichterstattung sterilisieren und glatt schleifen, diskutierten
namhafte Fachleute am Mittwoch auf dem Medientreffpunkt
Mitteldeutschland in Leipzig.
"Die Politik skandalisiert sich selbst", stellte der
Kommunikationsberater Michael H. Spreng gleich zu Beginn seine
zentrale These auf. "Das ist Teil des politischen Kampfes. Und wenn
die Medien dann diese Skandalisierung aufgreifen, wird hinterher mit
dem Finger auf die Journalisten gezeigt", so der ehemalige
Chefredakteur der Bild am Sonntag, der einst auch Edmund Stoiber
medial beriet.
Die Medien erschaffen sich selbst glatt geschliffene Politiker,
die ihre öffentlichen Wahrnehmung immer stärker selbst steuern
wollen, argumentierte hingegen Dirk Metz, Medienberater und
ehemaliger Sprecher der Hessischen Landesregierung. "Die Medien
tragen hierzu bei und beklagen sich hinterher darüber", so Metz. Man
müsse sich zum Beispiel stark wundern, welche Zitate von Politikern
aus dem Zusammenhang gerissen werden, um damit Überschriften zu
formulieren.
"Da kommen mir ja die Tränen", hatte Dieter Wonka,
Chefkorrespondent der Leipziger Volkszeitung in Berlin, kein Mitleid
mit Parlamentariern und anderen Entscheidungsträgern. "Ich erinnere
mich noch gut an Interviews mit dem hessischen Ministerpräsidenten
Roland Koch. Der wusste genau, was er mit einem Halbsatz oder einer
Andeutung auslösen konnte", so Wonka, der jedoch auch selbst Kritik
an seiner Zunft übte. "Gerüchte treten heute immer häufiger an die
Stelle fundierter Bewertungen. Um Aufmerksamkeit zu erreichen, ist
der Skandal zu einem probaten Mittel geworden. Wir Medien dürfen uns
aber nicht zum Lautsprecher der Politik machen."
Er beobachte einige Exzesse auf Seiten der Medien, erklärte daran
anschließend der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Donsbach
von der TU Dresden. Generell sei der Journalismus aber rationaler als
früher. Vor Jahren sei die Berichterstattung noch viel ideologischer
gefärbt gewesen. Als gutes Beispiel für diese Ambivalenz bezeichnete
er den Fall Wulff. "Diese Skandale haben ja auch eine reinigende
Wirkung. Eine Gutsherrenart, wie früher bei Franz Josef Strauß gibt
es heute nicht mehr", erläuterte Donsbach. Andererseits agierten die
Medien häufig mit unbewiesenen Behauptungen und schlüpften bei Wulff
in die Rolle des Staatsanwaltes.
Diesen Vorwurf ließ Medienberater Spreng nur bedingt gelten. "Ich
sehe keine Exzesse. Vieles, was die Medien zu Wulff berichtet haben,
war strafrechtlich nicht relevant, aber erhellend für den Charakter
von Wulff", so Spreng. Was den aktuellen Fall Hoeneß anbelangt,
herrsche sogar eine Selbstbeschränkung der Medien. "Sie lesen ja mehr
über den Gutmenschen als über den Steuerhinterzieher Hoeneß".
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Datum: 08.05.2013 - 14:47 Uhr
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