Bertelsmann Stiftung und Verbraucherzentrale Bundesverband fordern integrierte Krankenversicherung
ID: 869973
Bertelsmann Stiftung und Verbraucherzentrale Bundesverband fordern integrierte Krankenversicherung
Finanzierungsmix aus Beiträgen und Steuermitteln ist nachhaltiger, gerechter und effizienter
Die Bertelsmann Stiftung und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sprechen sich für eine Zusammenführung der gesetzlichen (GKV) und privaten (PKV) Krankenversicherung aus. Beide Organisationen stellen heute in Berlin die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zur Krankenversicherung der Zukunft vor. "Die Aufspaltung der Krankenversicherung ist ineffizient und problematisch für Selbstständige und Geringverdiener. Deutschland ist das letzte Land der Erde, wo dieses Modell besteht", erklärt Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. Die Zeit sei reif für eine integrierte Krankenversicherung. "Eine integrierte Krankenversicherung ist im Interesse aller, auch der privat Versicherten", sagt Gerd Billen, Vorstand des vzbv. "Gerade privat Versicherte müssen aktuell wieder mit höheren Beiträgen rechnen. Die Gesundheitspolitik muss in der kommenden Legislaturperiode eine Richtungsentscheidung für die Integration von GKV und PKV treffen, damit alle Akteure wissen, wohin die Reise geht."
Bertelsmann Stiftung und vzbv legten heute einen Zehn-Punkte-Plan vor, in dem sie die notwendigen Reformschritte und zu klärenden Fragen auf dem Weg zur integrierten Krankenversicherung beschreiben. Dazu gehöre die Angleichung der ärztlichen Vergütung, die für die Ärzte insgesamt aufkommensneutral erfolgen solle. Leistungen sollen künftig gleich vergütet werden - unabhängig von der Krankenversicherung, die der Versicherte hat. "Wir sehen keine verfassungsrechtlichen Bedenken für eine Zusammenführung der Systeme. Die Regelung der Krankenversicherung steht vielmehr mitten im Gestaltungsraum der Politik", so Aart De Geus. Im Hinblick auf grundsätzliche Ausgestaltungsmerkmale soll sich die integrierte Krankenversicherung an der heutigen GKV orientieren. Eine Differenzierung von Krankenversicherungsbeiträgen nach Alter oder individuellem Gesundheitsrisiko soll künftig ausgeschlossen sein. "Alle Krankenversicherungsanbieter müssen künftig von allen Versicherten frei wählbar sein. Die Beiträge sollen dabei die Leistungsfähigkeit der Versicherten widerspiegeln", fordert Billen. In diesem Zusammenhang sprechen sich beide Organisationen für eine Finanzierung der Krankenversicherung aus drei Säulen aus: den Beiträgen von Arbeitnehmern, Arbeitgebern sowie aus Steuermitteln.
Die derzeit von den Parteien diskutierten Vorschläge zur Einbeziehung nicht sozialversicherungspflichtiger Einkommen in die Krankenversicherung sind in einer von beiden Organisationen heute vorgestellten Studie des Berliner IGES-Instituts miteinander verglichen und anhand der Kriterien "Gerechtigkeit", "Nachhaltigkeit" und "Effizienz" bewertet worden. Die Szenarienberechnungen ergaben, dass bei der Heranziehung von Steuermitteln Versicherte mit hohem Einkommen aufgrund der Progression stärker zur Finanzierung des Krankenversicherungssystems herangezogen werden, als es bei einer bloßen Ausweitung der Beitragspflicht auf andere Einkommensarten der Fall wäre. Beide Finanzierungsvarianten eröffnen jedoch Spielräume für finanzielle Entlastungen unterer Einkommen. Im Fall der Steuerfinanzierung profitieren hiervon Ruheständler stärker als abhängig Beschäftigte; im Fall der Ausweitung der Beitragspflicht verhält es sich tendenziell umgekehrt. Vorteile hat eine direkte Steuerfinanzierung vor allem hinsichtlich ihrer Effizienz, da keine zusätzlichen administrativen Kosten entstehen. Sowohl die Ausweitung der Beitragspflicht auf andere Einkommen als auch die Durchführung eines steuerfinanzierten Sozialausgleichs für einkommensunabhängige Prämien ziehen Bürokratiekosten in Höhe von über 175 Millionen Euro nach sich. Um die steuerliche KoFinanzierung der Krankenversicherung gegen kurzfristige Schwankungen im Bundeshaushalt zu schützen, empfiehlt die Studie, den derzeitigen Bundeszuschuss in einen "Bundesbeitrag" umzuwandeln und gesetzlich an das Aufkommen aus der lohnzentrierten Beitragsfinanzierung zu koppeln.
Bertelsmann Stiftung
Carl-Bertelsmann-Str. 256
33311 Gütersloh
Telefon: +49 5241 81-0
URL: http://www.bertelsmann-stiftung.de
PresseKontakt / Agentur:
Bertelsmann Stiftung
Carl-Bertelsmann-Str. 256
33311 Gütersloh
Telefon: +49 5241 81-0
URL: http://www.bertelsmann-stiftung.de
Datum: 13.05.2013 - 10:01 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 869973
Anzahl Zeichen: 4549
pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 347 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Bertelsmann Stiftung und Verbraucherzentrale Bundesverband fordern integrierte Krankenversicherung"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Bertelsmann Stiftung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Am 23. Juni 2016 stimmten die Britinnen und Briten für den Austritt aus der Europäischen Union. Zum Jahrestag präsentiert die Bertelsmann Stiftung exklusive Daten aus zehn Jahren Meinungsforschung im Vereinigten Königreich und der EU. Die Ergebnisse zeigen: Der Brexit hat weder eine Austrittswel
Europäer:innen gehen auf Distanz zu den USA: Wunsch nach Eigenständigkeit wächst ...
Nach Jahrzehnten enger Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten sagen inzwischen fast drei von vier EU-Bürger:innen, Europa solle „seinen eigenen Weg gehen“. Eine klare Mehrheit der Europäer:innen hält die USA nicht länger für einen vertrauenswürdigen Partner. Eineinhalb Jahre nach Begin
Immer mehr Autokratien auf der Welt – aber auch mehr demokratischer Widerstand ...
Die Demokratie ist in der Defensive. Das zeigt der Transformationsindex 2026 der Bertelsmann Stiftung (BTI). Vor zwanzig Jahren wurde der BTI erstmals erhoben, damals waren die Demokratien noch in der Mehrheit. Heute werden 56 Prozent der 137 vom BTI untersuchten Staaten autokratisch regiert. Zu bes
Weitere Mitteilungen von Bertelsmann Stiftung
Uranerz meldet Finanzergebnisse des ersten Quartals 2013 ...
nanzergebnisse des ersten Quartals 2013 Casper (Wyoming), 9. Mai 2013. Uranerz Energy Corporation (NYSE MKT und TSX: URZ; Frankfurt: U9E) ("Uranerz" oder das "Unternehmen") veröffentlichte seine Finanzergebnisse für das Quartal, das am 31. März 2013 zu Ende gegangen ist. Di
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Mai 2013 [1] ...
. - Die deutsche Wirtschaft ist im Verlauf des ersten Quartals wieder auf den Aufwärtspfad eingeschwenkt. - Der Auftragseingang in der Industrie und die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe erhöhten sich im Februar und März spürbar. - Die privaten Konsumausgaben dürften
Wachstumskurs bei Nilfisk-Advance ungebrochen ...
Das Engagement von Nilfisk-Advance hat seit jeher nur ein Ziel: Branchenstandards in der professionellen Reinigungstechnik zu setzen. Dass diese Mission auch im Geschäftsjahr 2012 erfolgreich gelungen ist, beweisen die Zahlen. Der Reinigungsspezialist mit deutschem Hauptsitz in Rellingen erwirtscha
Demenz: Gesetzliche Leistungen reichen nicht aus ...
Alterung der Gesellschaft begünstigt Demenz Die Auswirkungen des demographischen Wandels in Deutschland sind mittlerweile beängstigend: Mehr als jeder dritte Bundesbürger ist auf Dauer von Demenz bedroht. Dies geht aus einem Pflegereport der Barmer GEK hervor. Noch besorgniserregender sind die A




