NABU: Agrarwüsten statt artenreiche Wiesen und Weiden
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NABU: Agrarwüsten statt artenreiche Wiesen und Weiden
Tschimpke: Bekassine, Kiebitz und Knabenkraut verlieren Lebensraum
Berlin - Anlässlich des Internationalen Tages der biologischen Vielfalt (22.5.) hat der NABU auf den anhaltend dramatischen Verlust von artenreichem Grünland in Deutschland hingewiesen. Wiesen und Weiden sind durch europäisches Recht besonders streng geschützt, dennoch wird dieser wichtige Lebensraum für den aktuellen "Vogel des Jahres", die Bekassine, und viele weitere Tier- und Pflanzenarten immer noch zerstört. "Es ist ein Versagen der Agrarpolitik, dass unsere Bauern das naturschutzfachlich wertvolle Grünland nicht länger erhalten können. Hier brauchen wir dringend einen Kurswechsel", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Vom NABU erhobene Daten aus EU-rechtlich geschützten Fauna-Flora-Habitat-Gebieten (FFH) in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zeigten, dass innerhalb von fünf Jahren durchschnittlich 35 Prozent Grünland verloren gingen, in manchen Gebieten sogar bis zu 54 Prozent. Die Gründe dafür liegen vor allem in der Intensivierung, Beweidung und Umwandlung der Grünlandflächen in Ackerland. Auch in Norddeutschlands EU-Vogelschutzgebieten wurden ähnliche Verluste registriert. So ist in Niedersachsen der Anteil an Grünland in den Schutzgebieten in den vergangenen zwölf Jahren um 31 Prozent gesunken. Der hohe Intensivierungsdruck im Grünland ergibt sich aus niedrigen Preisen für Milch und Rindfleisch sowie zunehmend auch aus der Förderung der Biogaserzeugung.
Wiesen und Weiden sind ein aus Naturschutzsicht bedeutender Lebensraum. Etwa 50 Prozent aller in Deutschland vorkommenden Pflanzenarten wie Knabenkräuter, Wiesenbocksbart oder Schlangenknöterich sind diesen Flächen zuzuordnen. Zudem ist Grünland auch als Lebensraum für Wiesenbrüter unersetzlich. Vielerorts wird es jedoch selbst innerhalb von Schutzgebieten in Äcker umgewandelt. "Es ist nicht verwunderlich, dass Bekassine, Kiebitz und Uferschnepfe immer seltener werden. Hier sind vor allem die Länder in der Pflicht, für den Erhalt der Grünländer zu sorgen", so Tschimpke. Fehlende Schutz- und Managementmaßnahmen vor Ort sowie ein eklatanter Finanzmangel für das EU-Schutzgebietsnetz Natura 2000 drohten auch die Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung zum zahnlosen Papiertiger zu machen.
"Erhebliche Verschlechterungen des Erhaltungszustands von europäisch streng geschütztem Grünland sind rechtlich nicht vertretbar", so Tschimpke. Der NABU prüfe daher juristische Schritte gegen diese politisch subventionierte Naturzerstörung. Von der Bunderegierung fordert der NABU, sich bei den laufenden Haushaltsverhandlungen der EU für eine ausreichende Finanzierung von Natura 2000 stark zu machen.
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Datum: 21.05.2013 - 13:21 Uhr
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