Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Flutkatastrophe in Deutschland
ID: 885891
gegen Naturkatastrophen kann sich die Menschheit nur bedingt
schützen. Die Erkenntnis ist nicht neu. Die aktuellen Flutwellen mit
ihren zerstörerischen Hinterlassenschaften im Süden, Osten und auch
Norden Deutschlands unterstreichen das Wissen darum aber
nachdrücklich. Unbestreitbar ist, dass ein Großteil der Ursachen
gerade beim Hochwasser hausgemacht ist. Begradigungen von
Flussläufen, fehlende Überflutungsräume, Bebauung von gefährdeten
Gebieten sind mit technischen Hilfsmitteln nicht auszugleichen.
Irgendwann weichen Dämme auf, sind die errichteten Spundwände, Stein-
oder Betonmauern zu niedrig. Und irgendwann sind halt auch die
angelegten Polder für gezielte Flutungen vollgelaufen. Auf der
anderen Seite aber zeigt sich, dass aus der Flutkatastrophe 2002
durchaus eine Menge Lehren gezogen worden sind. So ist die
Kommunikation besser geworden und die Helfer werden gezielter
eingesetzt. Zudem organisieren sich Gruppen über soziale Netzwerke im
Internet, um zu helfen. Das ist neu. Auch haben eine Reihe von
Städten und Gemeinden ihren Hochwasserschutz verbessert. Doch sind
längst nicht alle Maßnahmen abgeschlossen. Das rächt sich jetzt.
Dort, wo die Planungen zügig in die Tat umgesetzt wurden, hat das
Hochwasser erkennbar weniger Schaden angerichtet als vor elf Jahren.
Zur Folge haben die unterschiedlichen Zeitpläne für die
Schutzmaßnahmen allerdings, dass das Katastrophenszenario örtlich
verschoben wird. Die Auswirkungen der Fluten sind dort höher, wo man
mit Sanierung und Anlagenbau im Verzug ist. Hier muss in Zukunft
schneller reagiert und gehandelt werden. Die nächste Flut kommt ganz
sicher. Das wissen auch die Politiker, die angesichts der
dramatischen Bilder und Eindrücke schnell und vollmundig finanzielle
Hilfen versprochen haben. Das war auch im August 2002 so, als der
damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Gummistiefeln durchs
Hochwasser stapfte, beruhigte, aufmunterte und Unterstützung zusagte.
Auftritte, die ihm und der rot-grünen Koalition vermutlich dazu
verhalfen, bei der Bundestagswahl wenige Wochen später doch noch
einen Erfolg zu verbuchen. Auch wenn der zeitliche Abstand zur Wahl
2013 weitaus größer ist, einen kleinen Effekt werden auch Angela
Merkel und die schwarz-gelbe Koalition im September mitnehmen, wenn
denn die Hilfe wirklich unbürokratisch kommt. Der Bundeskanzlerin
aber Kalkül vorzuwerfen, weil sie sich unverzüglich auf den Weg in
die Überschwemmungsgebiete gemacht hat, ist billig. Wie laut wären
wohl die Entrüstungsschreie gewesen, hätte sie von Berlin aus die
Lage kommentiert. Das Zusammentreffen mit Betroffenen ist einfach
unverzichtbar. Und anders als Gehard Schröder hat sich Angela Merkel
keine Gummistiefel aufzwingen lassen, um mit Wassertreten Pluspunkte
zu sammeln.
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Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261
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Datum: 06.06.2013 - 20:00 Uhr
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