Neue OZ: Kommentar zu Snowden
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Weil ein junger US-Geheimdienstler die Machenschaften seines
Arbeitgebers nicht mehr dulden wollte oder konnte, vertraute er sich
der Öffentlichkeit an. Was diesem zweifellos kühnen Schritt folgte,
war und ist eine ans Lächerliche grenzende Neuauflage des Kalten
Krieges. Plötzlich trennen tiefe Gräben die politischen Großlager der
Welt. Und diese nimmt inzwischen rege an der Causa Edward Snowden
teil, entweder indem sie sich über seine Ausplauderei empört oder ihn
als Freiheitshelden stilisiert.
Dass einige europäische Länder Boliviens Präsident Evo Morales nun
Überflugrechte verweigerten, weil sie den flüchtigen Snowden an Bord
vermuteten, ist nur der jüngste einer Reihe diplomatischer
Missgriffe: Südamerikaner wie Morales stehen in den Augen der USA und
ihrer Mitstreiter offenbar unter dem Generalverdacht, den Westen bei
jeder Gelegenheit schädigen oder zumindest vorführen zu wollen.
Zu den üblichen Verdächtigen zählt freilich auch Venezuelas
Präsident Nicolás Maduro, der zuvor nicht ausgeschlossen hatte,
Snowden Asyl zu gewähren. Da tun sich Abgründe auf. Ob diese je
geschlossen waren, scheint nun fraglich. Überhaupt fällt es der
politischen Klasse, egal welcher Couleur, schwer, nach Snowdens Tat
einen kühlen Kopf zu bewahren. So mancher wittert die Chance, den USA
eins auszuwischen, die sich wiederum vom Klassenfeind umzingelt
sehen. Alte Feindbilder, Snowden hat sie ausgegraben.
Cornelia Mönster
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Datum: 03.07.2013 - 22:00 Uhr
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