Badische Neueste Nachrichten: Buhmann Schäuble
ID: 910707
willkommen. Mit Streiks und wütenden Demonstrationen wollen die
Griechen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble morgen in Athen
empfangen. Obgleich sich Deutschland mit vielen Milliarden für die
Rettung Griechenlands engagierte, macht das nahezu bankrotte Land vor
allem die Deutschen für seine selbst verschuldete Misere
verantwortlich. Schon die deutsche Bundeskanzlerin hat Wellen von
Spott und Hass zu spüren bekommen. Jetzt haben die Griechen den
Finanzminister zum Buhmann erkoren. Einige Medien, die Gewerkschaften
und die oppositionelle Linke heizen das Klima an. Die Kritiker des
Sparprogramms holen eine alte Kamelle aus der Schublade: Die
Bundesrepublik als Rechtsnachfolger des Hitlerreichs, der Weimarer
Republik und des Kaiserreichs schulde den Griechen noch
Reparationszahlungen, die sich in einem Jahrhundert auf 160
Milliarden Euro belaufen sollen. Aber diese rechtlich wie politisch
fragwürdige Forderung hat mit der aktuellen Euro-Krise nichts zu tun.
Heute geht es darum, dass Griechenland seinen Staat und die
Wirtschaft so reformiert, dass es die eingegangenen Bedingungen der
Währungsunion erfüllt, zu denen es sich verpflichtet hat. Wollen die
Griechen den Euro überhaupt noch, dessen Kriterien ihnen solche
Probleme bescheren? Die Antwort überrascht: In Umfragen spricht sich
eine deutliche Mehrheit von 70 Prozent für die Mitgliedschaft in der
Euro-Zone aus. Griechenland steckt weiter in einer Rezession, seine
Wirtschaft schrumpft, die Arbeitslosenzahlen steigen. Dass die
Bevölkerung darunter leidet, ist verständlich. Aber statt ihre Wut
auf die wahren Schuldigen zu lenken, also ihre unfähigen und
korrupten Regierungen, die unverantwortliche Staatsschulden
auftürmten, konzentrieren sie ihren Zorn auf jene Euroländer, die
ihnen mit Milliarden aus der Patsche helfen wollen.
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Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
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Datum: 16.07.2013 - 22:50 Uhr
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