DUH-Dienstwagen-Check: Nur fünf Unternehmen fahren beim Klimaschutz mit gutem Beispiel voran
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Solar, Tchibo, Pfeiffer Vacuum und SMA Solar Technology lassen andere
Unternehmen beim Klimaschutz hinter sich - Über 80 Prozent der von
der Deutschen Umwelthilfe befragten Firmen erhalten "Rote Karte" -
Chefetagen bestehen vielfach auf Prestigekarossen
Die Klimafreundlichkeit der Dienstwagenflotten großer
börsennotierter und mittelständischer Unternehmen verbessert sich
allenfalls im Schneckentempo. Das ist das Ergebnis der vierten
Abfrage der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) unter insgesamt 166
Firmen. Die Umfrage wurde zwischen Mai und Juli dieses Jahres
durchgeführt. Sie ergab neben einer Mehrheit, die aussagekräftige
Auskünfte pauschal verweigerte und Unternehmen, für die Klimaschutz
im Dienstwagenbereich offenbar keine Rolle spielt, auch eine Reihe
von Unternehmen, die sich phantasievoll und konkret um
klimafreundliche Dienstlimousinen bemühen.
Trotz einer gegenüber den Vorjahren leichten Verschärfung des
Bewertungsmaßstabs hielten sich drei "Testsieger" des letzten Jahres
- Kaiser´s Tengelmann, Phoenix Solar AG und Tchibo - weiter auf den
ersten Plätzen. Auch die Pfeiffer Vacuum GmbH und die SMA Solar
Technology GmbH konnten in diesem Jahr mit verbesserten Werten
überzeugen und erhalten dafür die "Grüne Karte" für ernsthaftes
Klimabewusstsein. Ein wachsendes Mittelfeld von insgesamt zwanzig
Firmen erhält für deutlich erkennbares, aber noch nicht
ausreichendes, Engagement die "Gelbe Karte".
Als erfreulich bewertet die DUH eine insgesamt sichtbare
Verbesserung der durchschnittlichen Flottenwerte der
auskunftsbereiten Unternehmen. Immerhin zwölf dieser Firmenflotten
halten mittlerweile das EU-Ziel eines CO2-Ausstoßes von 130 Gramm pro
Kilometer (g CO2/km) für das Jahr 2012 ein oder liegen sogar deutlich
darunter. Im letzten Jahr gelang dies nur acht der befragten
Unternehmen. Spitzenreiter sind in dieser Kategorie die Deutsche
Wohnen AG und die QSC AG mit einem durchschnittlichen Flottenwert von
nur 116 g CO2/km.
Trotzdem bleibt angesichts der ermittelten Ergebnisse nach
Überzeugung der DUH noch viel Luft nach oben. Während der
durchschnittliche Emissionswert bei den Firmenflotten mit 142 g
CO2/km in diesem Jahr (2012: 147 g; 2011: 156 g) weiter sinkt,
stagnieren die Werte bei den Limousinen der Vorstandsvorsitzenden bei
einem Durchschnittswert von 186 g CO2/km. "Es gibt eine leichte
Tendenz, bei den Firmenflotten zu sparsameren und klimafreundlichen
Dienstwagen zu kommen und so auch richtig Geld zu sparen. Im Kontrast
dazu steht nur wenig persönliche Einsicht in den Chefetagen - viele
Vorstände mögen auf spritschluckende Statussymbole noch nicht
verzichten", sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. "Manches
deutet also darauf hin, dass das ökonomische Denken einen Teil der
beobachteten Entwicklung treibt und nicht der Klimaschutz".
Die Dienstwagen-Emissionen machen in der Regel nur einen kleinen
Anteil an den gesamten Umweltauswirkungen von Unternehmen aus.
Überaus wichtig ist der Verzicht auf übermotorisierte Spritschlucker
nach Überzeugung der DUH jedoch wegen weitreichender Signalwirkungen
auf den gesamten Fahrzeugmarkt. Denn über 60 Prozent aller
Neuzulassungen in Deutschland sind heute gewerblich, in der oberen
Mittelklasse und der Oberklasse sind sogar 80 bis 85% der
Neufahrzeuge in gewerblicher Hand. Die Nachfrage umweltfreundlicher
Modelle von Seiten der Unternehmen ist deshalb mittelfristig
entscheidend für die Modellpolitik der Autohersteller. Den Vorständen
und Geschäftsführungen von Unternehmen kommt zudem eine besondere
Vorbildfunktion zu. Entscheiden sich die Chefs für sparsame Modelle,
können nachgeordnete Mitarbeiter kaum hochmotorisierte Spritschlucker
für sich beanspruchen.
Enttäuschend beim diesjährigen DUH-Dienstwagen-Check bleibt vor
allem die insgesamt unterentwickelte Auskunftsfreudigkeit der
Unternehmen. Von den 166 Befragten beantwortete nur knapp ein Drittel
wenigstens einen Teil der DUH-Fragen. Nähere Angaben zu den
Limousinen der Unternehmensleitung machten sogar nur 36 Unternehmen.
"Die meisten großen Unternehmen verpflichten sich in ihren
Hochglanz-Nachhaltigkeitsberichten lautstark zu ökologischer
Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit. Bei konkreten Nachfragen
ändert sich das oft abrupt. Vielfach ernten wir vielsagendes
Schweigen", so Hannah von Blumröder, die für die Umfrage
verantwortliche Projektmanagerin im Bereich Verkehr und
Luftreinhaltung bei der DUH. Wie beim Einsatz von übermotorisierten
Spritschluckern gab es im Rahmen der DUH-Umfrage auch für
Auskunftsverweigerung die "Rote Karte". Sie ging an insgesamt 141
Unternehmen und damit an die große Mehrheit aller Befragten.
Wie im Vorjahr wurden neben den CO2-Emissionen der Gesamtflotten
und der Dienstfahrzeuge der Chefetagen auch Flottenstrategien in die
Bewertung einbezogen, mit denen ein Teil der Firmen eigene
Klimaschutzziele erreichen und einen Beitrag zu einer nachhaltigen
Mobilität leisten wollen. Die Deutsche Telekom, die Allianz,
Bertelsmann, Siemens und einige weitere setzen auf Anreize durch
Bonus- oder Malus-Zahlungen und fördern mit unterschiedlichen
Maßnahmen die Nutzung von ÖPNV, Bahn oder Fahrrad unter ihren
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Resch: "Da ist erfreulich viel
Phantasie im Spiel. Wichtig ist aber, dass auch derartige Ansätze und
Anreizstrategien zur Reduzierung von Emissionen und Spritverbrauch
regelmäßig auf ihre Wirksamkeit hin überprüft und gegebenenfalls
verschärft werden. Ein maximal erlaubter CO2-Ausstoß von 200 g CO2/km
ist heute nicht mehr zeitgemäß. Nur ambitionierte Vorgaben können
eine klimafreundliche Umstellung der Flottenfahrzeuge wirkungsvoll
beschleunigen."
Alle Ergebnisse der Umfrage finden Sie im Internet unter:
http://l.duh.de/j05wd
Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer
Mobil: 0171 3649170, E-Mail: resch@duh.de
Hannah von Blumröder, Projektmanagerin Verkehr und Luftreinhaltung
Tel. 030 2400867-732, E-Mail: blumroeder@duh.de
Dr. Gerd Rosenkranz, Leiter Politik & Presse
Tel. 030 2400867-0, Mobil: 0171 5660577, E-Mail: rosenkranz@duh.de
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Datum: 18.07.2013 - 10:30 Uhr
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