1. DBV-Erntebericht: Keine Spitzenernte angesichts von Wetterkapriolen Späte Getreideernte startet

1. DBV-Erntebericht: Keine Spitzenernte angesichts von Wetterkapriolen
Späte Getreideernte startet unter guten Druschbedingungen

ID: 915096
(ots) - (DBV) Nach einem durchaus schwierigen
Vegetationsjahr starten die deutschen Landwirte endlich mit einer
Verzögerung von 10 bis 14 Tagen in die Getreideernte. Das
hochsommerliche Wetter hat einen zügigen Start der Ernte unter guten
Druschbedingungen ermöglicht, stellt der Deutsche Bauernverband (DBV)
in seinem 1. Erntebericht fest. Dieser basiert auf Umfragen unter den
Landesbauernverbänden über die tatsächlich geernteten Mengen. In
14-tägigem Abstand wird der DBV von nun an über den Fortgang der
Erntearbeiten berichten.

Die Feldbestände zur Ernte 2013 waren oftmals schwierigen
Witterungsbedingungen ausgesetzt. Der Winter war lang und kalt, hat
aber erfreulicherweise durch eine zum überwiegenden Teil ausreichend
vorhandene Schneedecke keine größeren Auswinterungsschäden nach sich
gezogen. Allerdings taute die Schneedecke in den östlichen
Bundesländern erst Ende März, regional sogar erst Anfang April weg.
Dementsprechend spät setzte die Frühjahrsvegetation ein. Auch
notwendige Pflanzenschutz- und Düngemaßnahmen sowie die Aussaat der
Sommerkulturen konnten erst mit Verspätung durchgeführt werden.
Insgesamt betrug der Vegetationsrückstand im Frühjahr zwei, regional
sogar vier Wochen. Dieser Rückstand konnte in dem überwiegend kühlen
und feuchten Frühjahr nur teilweise aufgeholt werden, weswegen die
Getreideernte in diesem Jahr mit einer Verzögerung von 10 bis 14
Tagen begonnen hat.

Naturgemäß ist die Wintergerste zuerst erntereif. In einigen
Gegenden wie in Baden, in Brandenburg, im Rheinland sowie in
Sachsen-Anhalt ist die Gerstenernte schon weit fortgeschritten. In
Höhenlagen sowie auf schwereren Ackerböden und im nördlichsten
Bundesland Schleswig-Holstein wird die Gerstenernte dagegen erst in
den nächsten Tagen richtig losgehen. Die Anbaufläche der Wintergerste


zur Ernte 2013 beträgt 1,2 Millionen Hektar. Gegenüber der im
vergangenen Jahr aufgrund massiver Auswinterungsschäden reduzierten
Wintergerstenfläche entspricht dies einem Flächenzuwachs von mehr als
100.000 Hektar. Nach den bisherigen Ernteergebnissen ist davon
auszugehen, dass die Erträge mit gut 6,4 Tonnen pro Hektar
durchschnittlich ausfallen werden. Regional sind die Erträge jedoch
sehr unterschiedlich - von einem Ertragsrückgang gegenüber dem
Vorjahr um 15 Prozent bis zu einem um 20 Prozent höheren Ertrag als
in der vergangenen Ernte wird berichtet. Insgesamt enttäuschen die
bisher durchschnittlichen Erträge jedoch. Denn das prinzipiell für
Wintergetreide vorteilhafte kühle und feuchte Wetter im Frühjahr
hatte zu höheren Ertragserwartungen geführt, die nun nur in wenigen
Fällen erfüllt werden können. Unter Zugrundelegung der Anbaufläche
ist eine Wintergerstenernte in Höhe von gut 7,7 Millionen Tonnen zu
erwarten. Dies entspräche gegenüber dem Vorjahr einer um gut 650.000
Tonnen höheren Erntemenge. Angesichts des derzeit guten Druschwetters
kann Wintergerste zum überwiegenden Teil mit Feuchtegehalten von 12
bis 15 Prozent geerntet werden. Dies erspart den Landwirten eine
energieaufwendige und damit kostenträchtige Trocknung des Erntegutes.

Nach der Ernte der Wintergerste folgt die Rapsernte. Die
Verzögerungen in der Abreife haben jedoch dazu geführt, dass Raps
bisher so gut wie gar nicht gedroschen werden konnte. Die
Ertragserwartungen an den auf 1,4 Millionen Hektar angebauten
Winterraps sind - mit regionalen Unterschieden - durchschnittlich bis
gut. Abzuwarten bleibt, inwieweit sich die durch das kühle und
feuchte Frühjahr verkürzte Blütezeit auf die Erträge ausgewirkt hat
und wie die Ölgehalte ausfallen werden. Schwierigkeiten bei der Ernte
von Raps könnten durch eine ungleichmäßige Abreife der Schoten
auftreten.

Die bedeutendste Getreidekultur in Deutschland ist mit einer
Anbaufläche von 3 Millionen Hektar der Winterweizen. Allerdings kommt
Winterweizen von den in Deutschland angebauten Getreidearten -
abgesehen von Mais - am spätesten zur Abreife. Aus diesem Grunde und
vor dem Hintergrund der Vegetationsverzögerungen wurde bisher so gut
wie kein Winterweizen gedroschen. Die kühle und feuchte Witterung im
Frühjahr hat den Weizenbeständen im Prinzip nicht geschadet. Die gute
Wasserversorgung hat jedoch dazu geführt, dass sich das Wurzelwerk
der Weizenpflanzen vielfach nicht gut entwickelt hat. Dies wirkt sich
während der aktuellen Schönwetterphase mit hohen Temperaturen negativ
auf die Weizenbestände aus. Regional ist schon zu erkennen, dass die
Weizenbestände zu schnell abreifen, also in die Notreife gehen.
Folglich werden die Hektolitergewichte niedriger ausfallen als
zunächst erhofft, so dass diese Weizenbestände ihr Ertragspotenzial
nicht werden ausschöpfen können.

Schwierig gestaltet sich die aktuelle Situation auch für die
Maisbestände. Schon die recht niedrigen Temperaturen haben den Wärme
liebenden Maispflanzen vielfach einen schweren Start beschert,
weswegen sich die Bestände nur unzureichend entwickelt hatten. In der
aktuell trockenen und heißen Wetterphase zeigen die Maispflanzen
vielerorts nun erste Anzeichen von Trockenstress. Wie stark sich die
derzeitigen Witterungsbedingungen auf die Körnermaiserträge auswirken
werden, wird sich bei der im Herbst beginnenden Maisernte zeigen.



Pressekontakt:
Kontakt:
Deutscher Bauernverband
Dr. Michael Lohse
Pressesprecher
Tel.: 030 / 31904 240

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Datum: 24.07.2013 - 13:29 Uhr
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