Schwäbische Zeitung: Eine Mahnung, kein Affront - Leitartikel
ID: 916842
baden-württembergischen Beamtenapparat nicht. Der grüne
Ministerpräsident reizt sein Personal durch handfeste Politik - weil
die Landesregierung nur mit Verzögerung Besoldungserhöhungen gewährt.
Er stichelt, wenn er von Jammern auf hohem Niveau spricht. Er
provoziert jetzt geharnischte Proteste, weil er auch die Höhe der
Pensionen nicht mehr als fixe Größe betrachten will.
Warum tut sich der 65-Jährige das an? Generell lastet auf den
Ländern viel mehr Druck, beim Personal zu sparen, als beim Bund. Sie
sind verantwortlich für Schulen und Hochschulen, für die Polizei, für
die Justiz. Gleichzeitig tut sich der öffentliche Dienst schwer,
Nachwuchs zu finden, wenn er unattraktiv erscheint. Der Kampf um die
Qualifizierten wird auch mit Geld geführt. Einseitig kann zudem auch
ein einzelnes Land das Beamtenrecht nicht ändern. Schon jetzt stehen
Verfassungsklagen im Raum.
Im Kern aber spricht Kretschmann im Klartext an, worüber alle
Länder stöhnen. Die Höhe der Pensionsverpflichtungen, für die allein
Baden-Württemberg 70 Milliarden Euro einplanen muss, bringt die
Haushaltspolitiker in Nöte. Die Schuldenbremse engt zudem die
finanziellen Spielräume ein, weil zu wenig vorgesorgt worden ist.
Kretschmann prangert das seit Amtsantritt an. Dafür, erst recht in
Wahlkampfzeiten, wird er gescholten, ganz nach den Reflexen des
politischen Geschäfts. So löst dann der Mahner eine unanständige
Neiddebatte, einen Affront aus, wenn er die Entwicklung der
gesetzlichen Renten und der Beamtenpensionen vergleicht. Aber so
durchsichtig und fahrlässig argumentiert Kretschmann nicht. Zu einem
funktionierenden Gemeinwesen gehört nicht nur die Alterssicherung.
Der Staat muss finanzierbar bleiben.
Sparen ja, nur nicht bei uns! Das schafft zwar Beifall in den
Reihen all jener, die es treffen könnte. Aber diese Einstellung ist
ein Stück weit die Abkehr von der Gesamtverantwortung für die
nachfolgenden Generationen. Zusammenhalt ist ein hohes Gut. Egoismus
ist schädlich.
Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 26.07.2013 - 21:34 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 916842
Anzahl Zeichen: 2432
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Ravensburg
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 263 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Schwäbische Zeitung: Eine Mahnung, kein Affront - Leitartikel"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Schwäbische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Weitere Mitteilungen von Schwäbische Zeitung
Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Papst Franziskus in Brasilien Mehr Glauben als Glänzen EIKE J. HORSTMANN ...
Papst Franziskus macht Schluss mit kirchlichem Pomp. "Mehr Glauben als Glänzen" lautet seine Devise, die er auch jetzt in den Favelas von Rio de Janeiro vorlebt. Gleich bei seiner Amtseinführung forderte er "eine arme Kirche für die Armen". Daher ist es ein starkes Symbol,
Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Die Zukunft der freiwilligen Feuerwehr Zwickmühle HUBERTUS GÄRTNER ...
Die Feuerwehr in Deutschland besteht zum allergrößten Teil aus freiwilligen Kräften. Ihre ehrenamtliche Arbeit kann man nicht genug loben. Sie ist auch fachlich sehr hoch einzuschätzen. Retten, Bergen, Löschen, Schützen - all das gelingt im Alarmfall meistens schon nach wenigen Minuten. In Z
Stuttgarter Zeitung: Kommentar zu USA/Spähaffäre/NSA/Manning/Snowden ...
Edward Snowden und Bradley Manning haben geheime Dokumente der US-Regierung geklaut und an die Öffentlichkeit gebracht. Beide handelten erklärtermaßen in der Absicht, Unrecht aufzudecken. Beide haben dafür weltweit viel Sympathie geerntet. Und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied. Sn
Stuttgarter Zeitung: Kommentar zu Hessen/Landtagswahl/CDU/Grüne ...
Es verwundert nicht, dass sich CDU-Landeschef Volker Bouffier angesichts des jüngsten Umfrage-Patts locker macht und trotz der Kritik seines rechten Parteiflügels die Grünen umwirbt. Er will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen verunsichert er die durch die schwache Vorstellung de




