Badische Neueste Nachrichten: Täglicher Terror
ID: 927733
Ministerpräsident der Bevölkerung nun einen umfassenden Einsatz für
die Sicherheit seines Landes verspricht, dann dürfte selbst Nuri al
Maliki an den Erfolg dieser Offensive kaum glauben. Die
Bombenexplosionen sind in Bagdad längst Alltag. Es vergeht kaum ein
Tag ohne Tod und Trauer. Die Regierung bekommt den blutigen
Machtkampf zwischen Schiiten und Sunniten nicht in den Griff, die
Lage hat sich in den vergangenen Monaten noch verschärft. Der
Bürgerkrieg zwischen den beiden islamischen Glaubensrichtungen fußt
auf alten religiösen Gegensätzen und tiefer Feindseligkeit der
unterschiedlichen Volksgruppen. Dieser Konflikt spaltet nicht nur den
Irak, wird dort aber in besonders gnadenloser Art und Weise
ausgetragen. Die Toten der Attentate sind dabei nicht nur eine
Niederlage für die Regierung, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte,
das Land zu befrieden. Sie sind vor allem auch eine Niederlage für
die westlichen Militärmächte, die 2003 mit einer völkerrechtswidrigen
Invasion Diktator Saddam Hussein stürzten, um dem Irak eine bessere
Zukunft zu verschaffen. Die Motive dieser "Koalition der Willigen"
sind längst entlarvt, es ging nicht darum, einem Land den Frieden zu
bringen, sondern um geopolitische und wirtschaftliche Interessen.
Heute ist der Irak eine Schablone für den gescheiterten Versuch,
einem Land mit militärischer Macht den Weg zu weisen. Die Folgen sind
verheerend und drohen sich in Afghanistan oder Libyen zu wiederholen.
Diese Erkenntnis hat sich auch in der Politik durchgesetzt, die
gleichwohl mit dem Dilemma zu kämpfen hat, wie man mit
Unrechtsstaaten umgeht. Zuschauen oder Eingreifen? Darum geht es seit
über zwei Jahren in Syrien. Die Entscheidungsfindung der Weltmächte
hat dabei keineswegs etwas mit Moral zu tun, sondern mit
Eigeninteressen. Westliche Zurückhaltung ist dennoch angebracht. Denn
Demokratie ist kein Exportprodukt. Solange der Westen mit dem
überheblichen Selbstverständnis einer überlegenen, weil
demokratischen Staatsform auftritt, wird er sein Oberlehrer-Image
nicht los. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass auch für Europa
der Weg zum Frieden steinig und blutig war.
Pressekontakt:
Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
Telefon: +49 (0721) 789-0
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Datum: 15.08.2013 - 22:08 Uhr
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