DER STANDARD-KOMMENTAR "Die endlose Phase der Stagnation" von Peter Illetschko

DER STANDARD-KOMMENTAR "Die endlose Phase der Stagnation" von Peter Illetschko

ID: 931273
(ots) - Bundeskanzler Werner Faymann meldet sich zum Thema
Wissenschafts- und Forschungspolitik wirklich nicht oft zu Wort. Wenn
er aber darüber spricht, dann lässt er nur grundsätzliche Wahrheiten
hören, die trotz des wechselvollen politischen Alltags lange halten.
Als er zum Beispiel öffentlich bekundete, Österreich werde doch
nicht, wie von Ex-Wissenschaftsminister Johannes Hahn gewünscht, aus
dem europäischen Kernforschungszentrum Cern austreten, sagte er den
wohlklingenden Satz: "Wir wissen, dass Forschung Verlässlichkeit und
Nachhaltigkeit braucht." Ein Versprechen, das mehrfach eingehalten
wurde: Österreich trat bekanntlich nicht aus dem Cern aus. Die
Grundlagenforschung hat unter Faymann aber auch verlässlich mit
stagnierenden Budgets, wenngleich auf hohem Niveau, zu kämpfen. Es
gilt natürlich, die Finanzkrise zu bedenken. Zahlreiche hausgemachte
Löcher wurden gestopft. Staatshilfen müssen vergeben werden. Nur ein
Beispiel: Die Hypo-Alpe-Adria-Bank. Dennoch müsste sich eines der
reichsten Länder der Welt deutlich mehr Geld für jene Stätten leisten
können, wo Wissensvermittlung und Grundlagenforschung betrieben
werden sollten: in den Labors der Universitäten. Im Wettbewerb um die
besten Köpfe, wie es immer recht großspurig heißt, holen die
heimischen Unis, das IST Austria und die großen Akademie-Institute,
nämlich immer mehr renommierte Wissenschafter ins Land. Sie stellen
immer mehr qualitativ hochwertige Anträge an den Wissenschaftsfonds
FWF, der aber derzeit eben ein stagnierendes Budget hat. Zum Glück
gibt es den Europäischen Forschungsrat (ERC), bei dem viele heimische
Wissenschafter Erfolg haben. Aber was kommt danach? Müssen die ins
Land geholten Top-Wissenschafter dann eben wieder ins Ausland gehen,
weil sie hier keine Grants einwerben können? Sieht so der Plan aus,
eine führende Nation in Wissenschaft und Forschung zu werden?


Vielleicht ist Kanzler Faymann ja nicht bewusst, was
Grundlagenforschung bedeutet: Ein intellektuelles Eintauchen in
Vorgänge in der Natur und in der Gesellschaft, das sicher mehr Wissen
schafft und zu Entdeckung und neuen Entwicklungen führen kann, aber
nicht muss. In vielen Fällen brauchen diese Wissenschaften teure
Labors. Mit ihnen kann man zwar keinen Wahlkampf gewinnen, aber
Ausbildungsplätze und Freiräume für Ideen schaffen.
Grundlagenforschung hat primär auch nichts mit Industrie zu tun,
weshalb sie politisch vielleicht nicht ganz so wichtig genommen wird.
Das wäre ein grober Denkfehler, denn auch die Industrie braucht die
Unis. Es darf aber auch daran gezweifelt werden, ob Vizekanzler
Michael Spindelegger weiß, was es bedeutet, freie Wissenschaft zu
fördern. Derzeit betreibt er auf dem Rücken dieses Themas vor allem
Wahlkampf, indem er sechs Prozent Forschungsquote propagiert. Eine
Benchmark, die kein Land erreicht, und die auch völlig unrealistisch
ist. Er sagt den potenziellen Wählern: Ich verspreche euch etwas,
aber ich gestehe auch, dass ich es nicht halten kann. Bis zur
Nationalratswahl wird sich nichts ändern an der Rhetorik von Faymann
und Spindelegger: Es ist schwer zu sagen, wer von den
Spitzenkandidaten der SPÖ und der ÖVP weniger glaubwürdig für die
Wissenschaft dieses Landes eintritt - oder vielleicht doch den Mut
hat, die schier endlose Phase der Stagnation zu verlassen.

Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70 DW 445

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  WAZ: Wie rechtmäßig ist der Datenklau? Kommentar von Dietmar Seher WAZ: Das Turbo-Abitur funktioniert. Kommentar von Birgitta Stauber-Klein
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 22.08.2013 - 19:02 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 931273
Anzahl Zeichen: 3896

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Die Grundlagenforschung wird von der Regierungsspitze nicht ernst genommen - Ausgabe vom 23.8.2013



Kategorie:

Innenpolitik



Diese Pressemitteilung wurde bisher 177 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"DER STANDARD-KOMMENTAR "Die endlose Phase der Stagnation" von Peter Illetschko"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Der Standard (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).


Weitere Mitteilungen von Der Standard


Westfalenpost: Brüderle zum NSU-Ausschuss: Zahl der Verfassungsschutzämter reduzieren ...
Hagen. Bei Gewalttaten gegen religiöse oder ethnische Minderheiten sollen Polizei und Justiz bei ihren Ermittlungen künftig stets auch rassistische, rechtsextremistische Motive in Betracht ziehen. Das ist eine der 47 Empfehlungen, mit denen der Untersuchungsausschuss zur NSU-Affäre gestern se

Märkische Oderzeitung: Märkische Oderzeitung (Frankfurt/Oder) zum AOK-Suchtmittelreport ...
In unserer Gesellschaft hat sich eine gefährliche Schieflage entwickelt: Die einen suchen vergeblich nach einem Job, verzweifeln darüber und sitzen Däumchen drehend zu Hause - die anderen, die Arbeit haben, placken sich häufig halb kaputt. Um das steigende Arbeitspensum zu bewältigen, sehen

Märkische Oderzeitung: Märkische Oderzeitung (Frankfurt/Oder) zu NSU-Ausschuss ...
Immerhin hat der Ausschuss gezeigt: Wenn es ganz ernst wird, wenn es im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod geht, wenn sogar die Demokratie in Gefahr gerät, dann zeigt das deutsche Parlament Handlungsfähigkeit. Das heißt in diesem Fall, der Exekutive die Zähne zu zeigen. Und das ist dr

neues deutschland: NSU-Teror: Offene Fragen ...
Der Bundestags-Untersuchungsausschuss zu den Morden des NSU hat am Donnerstag seinen Abschlussbericht vorgelegt. Zudem konnten sich die elf Mitglieder des Gremiums auf einen Empfehlungskatalog einigen, der zukünftig verhindern soll, dass Nazis töten können, ohne dass ihnen die Ermittlungsbehör


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z