Kongo: Chef der UN-Mission sieht Wendepunkt
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Martin Kobler, Leiter der Friedensmission, im Interview der Deutschen Welle
"Ich war selbst an der Front und habe beobachtet, wie wir eingegriffen haben in die Kämpfe und wie wir die kongolesische Armee mit Artillerie, Kampfhelikoptern und anderen Mitteln tatkräftig unterstützt haben. Es ist nicht akzeptabel, dass bewaffnete Gruppen mit Mörsern und Raketen die Stadt Goma beschießen. Das ist ein Kriegsverbrechen. Unsere Hauptaufgabe im Kongo ist der Schutz der Zivilbevölkerung. Deshalb habe ich den Befehl gegeben, mit allem, was wir haben, in die Kämpfe auf Seiten der kongolesischen Armee einzugreifen, damit sich diese Vorfälle nicht wiederholen."
Auf die Frage, ob das aktive Eingreifen in Ostkongo die gewünschte Wirkung erzielt habe, sagt Kobler:
"Ich glaube, das Blatt wendet sich gerade. Die Bevölkerung sieht, dass wir eigene Verwundete haben, dass wir zum ersten Mal aktiv eingegriffen haben. Aber es gibt keine militärische Lösung dieses Konflikts mit der M23. Es kann nur eine politische Lösung geben. Es gibt Gespräche in Kampala zwischen der Regierung des Kongo und der M23. Aber das schließt militärische Aktionen nicht aus. Ich bin nicht vorrangig hier, um Aktionen zu befehlen, die zum Verlust von Menschenleben führen. Das ist nicht unsere Absicht. Es muss einen politischen Prozess geben, dem Treiben der Rebellen ein Ende zu setzen."
Bei dem Granatenbeschuss durch die Rebellen waren am Samstag (24. August) mindestens zwei Einwohner getötet und drei afrikanische UN-Soldaten verletzt worden. Am Sonntag war es zu hitzigen Anti-Blauhelm-Protesten gekommen, bei denen zwei Demonstranten getötet wurden. Augenzeugen belasten UN-Soldaten aus Uruguay. Kobler sagte, er bedauere den Tod der beiden Zivilisten:
"Wir haben sofort eine Untersuchung eingeleitet, in Kooperation mit den kongolesischen Behörden. Nach Abschluss der Untersuchung werden wir wissen, durch wen die Zivilisten zu Tode gekommen sind."
Zum Vorwurf von Augenzeugen, die UN-Soldaten hätten mit scharfer Munition auf die Demonstranten geschossen, sagte Kobler:
"Jeder darf sich verteidigen, wenn Molotow-Cocktails auf ihn geworfen werden. Diese Demonstranten haben unsere Tankstation angegriffen und unsere Autos mit Steinen beworfen. Das sind Dinge, die sind verständlich aus der Sicht der Bevölkerung, die über Jahrzehnte gequält wurde. Die Bevölkerung von Goma ist sehr ungeduldig. Ich verstehe die Frustration. Aber die Schuldigen sind doch die Rebellengruppen. Das sind nicht wir."
Mit 19.000 Blauhelmen ist MONUSCO die weltweit größte UN-Friedensmission. Kobler war im Juni zum Leiter der Mission ernannt worden.
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Datum: 27.08.2013 - 12:03 Uhr
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