Badische Neueste Nachrichten: Ein Wendepunkt
ID: 934545
die Supermacht USA mit ihren angekündigten Raketenangriffen der
syrischen Regierung ein paar gezielte Nackenschläge verpasst, worauf
der Syrien-Konflikt anschließend so weitergeht wie bisher. Der
erwartete Militärschlag der USA wird ein Wendepunkt sein. Manches
spricht dafür, dass die Lage anschließend eher schlimmer als besser
wird. Nachbarstaaten wie die Türkei hoffen, dass das Eingreifen der
USA den Anfang vom Ende des Assad-Regimes markieren wird. Eine durch
US-Raketen geschwächte Militärmaschinerie der syrischen Regierung
werde den Rebellen helfen, das Regime in Damaskus rasch zu stürzen,
lautet das Argument. Genauso gut möglich ist es jedoch, dass Assads
Verbündete, der Iran und die libanesische Hisbollah, noch intensiver
als bisher eingreifen werden, um den Präsidenten zu stützen. Auch
Vergeltungsschläge Syriens gegen US-Verbündete wie die Türkei oder
Israel sind denkbar. Assad selbst warnt schon lange vor einem
regionalen Flächenbrand, sollte das Ausland angreifen. Hinzu kommen
die vielen Unwägbarkeiten, die jede Militäraktion mit sich bringt.
Was geschieht, wenn amerikanische Piloten bei Flügen über Syrien
abgeschossen werden und gerettet werden müssen? Auch die Gefahr, dass
unschuldige Zivilisten von fehlgeleiteten US-Raketen getötet werden,
ist nicht von der Hand zu weisen. Dennoch tun die Regierungen in
Washington und London so, als gehe es um einige "saubere" Schläge
gegen Assad, die dem Regime klarmachen sollten, dass der Einsatz von
C-Waffen nicht akzeptabel ist. Für solche Signale ist es in Syrien
nach zwei Jahren Bürgerkrieg und 100 000 Toten eigentlich zu spät.
Eine politische Vision für eine Lösung in Syrien hat auch heute
niemand. So lange es diese Vision nicht gibt und die Entschlossenheit
zu ihrer Durchsetzung fehlt, werden einige Raketen oder einige
Marschflugkörper nicht allzu viel ausrichten.
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Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
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Datum: 28.08.2013 - 23:04 Uhr
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