Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Mindestlohn und Arbeitsrecht

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Mindestlohn und Arbeitsrecht

ID: 947388
(ots) - Da sage einer noch, der Wahlkampf sei zu nichts
nutze - außer zu Fensterreden und Versprechen, die nach dem Urnengang
zu Grabe getragen werden. Wer so denkt, irrt. Die Tarifparteien der
Leiharbeitsbranche führen in dieser Woche vor, wie man mitten im
Wahlkampf Politik macht. Während andere über Halsketten und
Stinkefinger lästern, schaffen sie Fakten. Der Forderung nach einem
staatlich festgelegten Mindestlohn von 8,50 Euro wurde der Wind aus
den Segeln genommen, indem die wichtige und umstrittene
Leiharbeitsbranche sich freiwillig darauf verpflichtete.
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hat sofort die Bedeutung für
den aktuellen Wahlkampf erkannt und nachgeliefert. Schon einen Tag
später wurde der Mindestlohn in einer weiteren Branche für
allgemeinverbindlich erklärt und in zweien angehoben. Plötzlich steht
die SPD, die sich den Wählern als Partei der sozialen Gerechtigkeit
empfiehlt, ohne Schirm im Regen: Während sie fordert, erscheint die
Union als die Partei, die handelt: 12 der 13 Branchenmindestlöhne
wurden von Arbeitsministern der CDU verbindlich festgelegt. Vergessen
ist der Augenblick, da Kanzlerin Angela Merkel vor den Augen der
Fernsehzuschauer ziemlich hilflos auf den Fall eines seit zehn Jahren
bei der gleichen Firma beschäftigten Leiharbeiters reagierte. Nun
sollte auch die zeitliche Begrenzung kein Tabu mehr sein. Ohnehin
sind nur 15 Prozent der Betroffenen länger als ein Jahr im gleichen
Unternehmen beschäftigt. Leiharbeit ist der Preis für das
arbeitnehmerfreundliche deutsche Kündigungsrecht. Er ist vertretbar,
wenn er nicht gegen die Stammbelegschaft eingesetzt wird. Noch gibt
es unfaire Löhne - zum Beispiel für Friseure (im Osten 6,50 Euro) und
Regaleinräumer (6,63 Euro). Unfair bezahlt werden auch
Scheinselbstständige etwa in der Transportbranche, die gezwungen
sind, sich selbst ausbeuten. Das Gleiche gilt für manche Hospitanten


und Praktikanten, wenn sie monatelang ganz ohne Entgelt arbeiten. Wie
bei den Mindestlöhnen, so kam auch bei den Werkverträgen in den
vergangenen Wochen Bewegung in die Diskussion. Auslöser waren der Tod
zweier rumänischer Arbeiter der Papenburger Meyer-Werft und Berichte
über Zustände in der Fleischwarenindustrie. In einem Fall wurde
bereits ein Tarifvertrag abgeschlossen, der auch die Wohnverhältnisse
berücksichtigt. Im anderen wird nun wenigstens verhandelt. Je besser
die Vorschrift, desto größer ist aber die Gefahr, dass sie von
schwarzen Schafen umgangen wird. Schwarzarbeit zu verhindern, ist
Pflicht staatlicher Kontrolle. Und wenn auch sie 100-prozentig
funktioniert? Dann könnte sein, dass es zwar nur noch faire
Arbeitsplätze gibt, aber zu wenige, um alle zu beschäftigen. Zur
ganzen Wahrheit gehört, dass Menschen aus unterschiedlichen Gründen -
Ausbildungsschwäche, Krankheit, Behinderung - am ersten Arbeitsmarkt
nicht konkurrenzfähig sind. Sie haben einen Anspruch darauf, nicht
vergessen zu werden.



Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  WAZ: RWE-Management bringt Nullrunde ins Gespräch MorphoSys beschließt Kapitalerhöhung
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 18.09.2013 - 20:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 947388
Anzahl Zeichen: 3355

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Bielefeld



Kategorie:

Wirtschaft (allg.)



Diese Pressemitteilung wurde bisher 177 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Mindestlohn und Arbeitsrecht"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Westfalen-Blatt (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

WESTFALEN-BLATT - Till Brönner: "Nichts aus Corona gelernt" ...
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un

34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder

NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in


Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt


WAZ: RWE-Management bringt Nullrunde ins Gespräch ...
Die wachsenden wirtschaftlichen Probleme des Energieversorgers RWE treffen womöglich alle Beschäftigten des Konzerns. Nach Informationen der in Essen erscheinenden Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ, Donnerstagausgabe) hat das RWE-Management eine dreijährige Nullrunde bei den Löhnen und G

Börsen-Zeitung: Aufräumarbeiten, Kommentar zum Gesetzesvorschlag von EU-Kommissar Michel Barnier zur Regulierung von Indizes und Referenzsätzen, insbesondere des Libor, von Christopher Kalbhenn. ...
Kein anderer Skandal hat bisher das Vertrauen in den Finanzmarkt derart erschüttert wie die Libor-Manipulation. Gerade das völlige Fehlen von Unrechtsbewusstsein oder ethischer Bedenken bei den an dem Betrug beteiligten Personen lassen befürchten, dass es noch sehr lange dauern kann, bis das Ver

WAZ: Gute, alte Tradition - Kommentar von Stefan Schulte ...
Es gibt schlechte Traditionen und gute. Die Tradition der montanen Mitbestimmung ist eine gute. Sie hat dafür gesorgt, dass die Stahlindustrie bis heute ohne Massenentlassungen ausgekommen ist, obwohl sie seit den 60-er Jahren Hunderttausende Stellen abgebaut hat. Thyssen-Krupp und die IG Metal

MorphoSys beschließt Kapitalerhöhung ...
MorphoSys AG / MorphoSys beschließt Kapitalerhöhung . Ad-hoc Mitteilung nach § 15 WpHG. Verarbeitet und übermittelt durch Thomson Reuters ONE. Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent verantwortlich. Die MorphoSys AG (Frankfurt: MOR; Prime Standard Segment, TecDAX; OTC: MPSYY) gab h


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z