Neue OZ: Kommentar zu Bahn
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Viele dauergenervte Bahnreisende werden sich angesichts des
EuGH-Urteils die Hände reiben: Nun also können sie sich auf
europäisches Recht berufen, wenn sie nach einer gravierenden
Verspätung ihres Zugs auf Entschädigung pochen - und zwar auch in
solchen Fällen, in denen der Bahn keine Verursacherrolle
zuzuschreiben ist. Wenn also Bäume im Sturm auf die Gleise stürzen
oder diese bei sintflutartigen Regenfällen unterspült werden, wenn
Lokomotivführer oder Schaffner von ihrem Streikrecht Gebrauch machen
- für die Bahn kann es künftig noch teurer werden als bisher. Der
einstige und vielfach verspottete Werbeslogan "Alle reden vom Wetter
- wir nicht" hat damit endgültig ausgedient.
Das mag man als Bahnkunde begrüßen - verstehen muss man es nicht.
Denn de facto schieben die Luxemburger Richter den Bahnunternehmen
eine Verantwortung fürs Wetter zu. Haben Petrus und der Klimawandel
etwa ausgedient?
Noch sonderbarer ist es jedoch, dass ein Vergleich mit den Rechten
von Bus-, Schiffs- und Flugpassagieren nicht angebracht sein soll.
Wer soll verstehen, dass ein Bahnunternehmen zahlen muss, wenn sich
der Zug im Unwetter verspätet, während eine Fluggesellschaft nicht
zur Kasse gebeten wird, nachdem ihr Flieger mit großer Verspätung
abgehoben hat? Verbraucherschutz ist wichtig und gut, aber er sollte
vernünftig und nachvollziehbar sein.
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Datum: 26.09.2013 - 22:00 Uhr
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