Neue OZ: Kommentar zu Steuerzahlerbund
ID: 964516
Vom Milliardengrab Berliner Flughafen zu einer Straßenmarkierung
für 600 Euro: Die Bandbreite der im Schwarzbuch des Bundes der
Steuerzahler geführten Kritikpunkte ist groß. Es ist dem Verein
anzurechnen, dass er Jahr für Jahr Verschwendungsfälle auflistet,
auch wenn er manches Mal übers Ziel hinausschießt. Denn nicht alle
eingestellten Infrastrukturprojekte taugen zu Aufregern. Nicht jede
Ausgabe, die sich als unnötig herausstellt, resultiert aus einem
behördlichen Egal-Gefühl. Und ob es tatsächlich Verschwendung ist,
wenn eine denkmalgeschützte Brücke versetzt statt abgerissen wird,
darüber lässt sich streiten.
Aber von nüchterner Differenzierung ist das Büchlein ohnehin weit
entfernt. Der Staat und seine Diener werden mal als unfähig, mal als
unbeweglich und mal als schlicht unverschämt dargestellt. Das mag im
Einzelfall auch zutreffen. Das unübersehbare Anliegen des Buches ist
es aber, die Kluft zwischen Bürgern und Staat zu vertiefen und das
"Die da oben"-Gefühl zu verstärken. Denn der BdSt ist, was oft
vergessen wird, mehr als der Bannerträger eines steuerlich
geknechteten und ausgebluteten Volks, als der er sich gerne geriert.
Vor allem ist er ein gewichtiger Spieler auf der politischen Bühne
und verfolgt klar umrissene Ziele: weniger Steuern und weniger Staat.
Die selbst auferlegte Wächterfunktion hat ihre Hintergründe, das
sollte bedenken, wer sich durch das unterhaltsame, aber auch
reichlich plakative Werk blättert.
Maik Nolte
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Datum: 17.10.2013 - 22:00 Uhr
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