Keine Empfehlung für Muscheln aus dem Watt

Keine Empfehlung für Muscheln aus dem Watt

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Keine Empfehlung für Muscheln aus dem Watt



(pressrelations) -
WWF und NABU kritisieren MSC-Zertifikat der Miesmuschelfischerei im niedersächsischen Wattenmeer

Gemeinsame Pressemitteilung NABU und WWF

Hamburg/Berlin- In Kürze können Verbraucher Miesmuscheln aus Niedersachsen mit MSC-Siegel kaufen, gerade hat die Fischerei ihr Zertifikat erhalten. Die fragliche Muschelfischerei wird dort innerhalb des als Nationalpark geschützten und als Weltnaturerbe anerkannten Wattenmeeres durchgeführt. WWF und NABU kritisieren diese Zertifizierung, da sie weder die ökologisch nachteiligen Auswirkungen der Fischerei noch den Schutzanspruch des Wattenmeeres ausreichend berücksichtigt. Laut Umweltverbänden steht die niedersächsische Miesmuschelfischerei auch im Widerspruch zu nationalem und europäischen Naturschutzrecht. Der MSC ist die weltweit glaubwürdigste Umweltzertifizierung für Meeresfischereien, hat aber bei dieser speziellen Zertifizierung nicht die nötigen Nachhaltigkeitskriterien sicherstellen können.

"Die jetzige Form der Fischerei schädigt die Muschelbänke im Wattenmeer und nimmt geschützten Vögeln die Nahrungsgrundlage. Sie entspricht nicht den Zielen des Nationalparks und der Verbraucher kann nicht darauf vertrauen, dass diese Muscheln ohne Belastung des Ökosystems gewonnen wurden. Ein Umweltsiegel für diese Fischerei lehnen wir daher ab, solange die Fischerei nicht auf naturschonende Verfahren umgestellt wird", kommentiert Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF Wattenmeerbüros die Zertifizierung.

Wilde Miesmuschelbänke werden unter Wasser und auf dem Watt mit schwerem Fanggerät - sogenannten "Dredgen", die aus einem Metallrahmen und aufgespannten Netz bestehen - fast vollständig abgeerntet. Der charakteristische Lebensraum Muschelbank geht so auch für zahlreiche Begleitarten verloren. Neue Muschelbänke können so nicht mehr natürlich entstehen. Vogelarten wie der Austernfischer sind aber auf die Miesmuscheln als Nahrungsquelle angewiesen. Die Bestände der eigentlich zu zehntausenden im Wattenmeer rastenden Austernfischer gehen seit vielen Jahren stark zurück. Zudem wollen die Fischer junge Miesmuscheln, sogenannte Saatmuscheln, aus dem niederländischen Wattenmeer in den Nationalpark importieren. Hier werden sie auf Kulturflächen ausgesetzt, und nach dem Heranreifen abgefischt. Mit solchen Importen werden aber weitere gebietsfremde Arten in den Nationalpark eingeschleppt. Zu den schon verbreiteten Bioinvasoren gehören beispielsweise die Pazifische Auster oder die amerikanische Schwertmuschel.



"In so sensiblen Schutzgebieten wie dem Wattenmeer muss man die Auswirkung einer Fischerei auf das gesamte Ökosystem bewerten, doch gegen diesen Grundsatz wird in Niedersachsen verstoßen. Das System MSC weist hier in seinem Bewertungsschema eine gefährliche Lücke auf", erläutert Kim Detloff, NABU-Meeresschutzexperte. "Zentrales Ziel eines Nationalparks sollte es sein, dass sich heimische Natur ungestört entwickeln kann und alle typischen Arten einen intakten Lebensraum vorfinden."

WWF und NABU haben sich über Jahre aktiv und konstruktiv am MSC-Verfahren beteiligt. Sie hatten erwartet, dass im Rahmen des Verfahrens entsprechende Veränderungen zu einer ökologisch nachhaltigen Form der Muschelfischerei erarbeitet würden. Dies ist jedoch nicht gelungen, die Fischerei will auf schädliche Praktiken wie die Abfischung von natürlichen Wildmuschelbänken und den Import von gebietsfremden Muscheln in den Nationalpark nicht verzichten. Im Laufe des Verfahrens wurde deutlich, dass für die bisherige Muschelfischerei auch keine Umweltverträglichkeitsprüfungen vorliegen, wie sie deutsches und europäisches Naturschutzrecht für Schutzgebiete vorschreiben. Nicht einmal hierfür wurde im Zertifizierungsverfahren eine Nachbesserung verlangt.

WWF und NABU erwarten vom MSC, seiner Aufgabe als globales Umweltsiegel nachzukommen. Viele Staaten sind nicht in der Lage oder willens Fischerei nachhaltig durchzuführen und zu regulieren. Negative Begleiteffekte wie Überfischung und Zerstörung von Ökosystemen sind die Folge. Ein mangelhaftes Management durch die Behörden muss aus Sicht der Verbände durch entsprechende Auflagen in der MSC-Zertifizierung korrigiert werden, damit die zertifizierte Fischerei nachhaltig wird:

"Fischereien in Naturschutzgebieten oder Nationalparks sind nicht automatisch umweltverträglich, sondern stehen oft noch im Konflikt mit dem Schutzauftrag. Der MSC-Standard berücksichtigt momentan die strengeren Anforderungen durch Schutzgebiete nicht ausreichend und muss entsprechend verbessert werden. Eine Fischerei in geschützten Gebieten darf erst dann als nachhaltig zertifiziert werden, wenn sie in voller Übereinstimmung mit den Naturschutzzielen ausgeübt wird", fordern WWF und NABU. Der MSC-Standard durchläuft aktuell eine Überarbeitung, in der dieses Defizit nach Ansicht der Verbände nachgebessert werden muss. Nur so könne MSC seinen Status als heute glaubwürdigster Umweltstandard für Fischprodukte erhalten.


Weitere Informationen:

Britta König, Pressestelle WWF, Tel.: 040 530 300 318, britta.koenig@wwf.de

Interviewpartner:
Dr. Hans-Ulrich Rösner, Leiter WWF-Wattenmeerbüro, Tel: 0151 12290848
Dr. Kim Cornelius Detloff, Leiter NABU-Meeresschutz Tel.: 0152 09202205
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Datum: 29.10.2013 - 12:21 Uhr
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